Archiv für September 2009

Vielen Dank

Liebe UnterstützerInnen des Festivals gegen den Jugendknast,

vielen Dank euch allen für die tatkräftige Unterstützung für den Aufbau des Zeltes und den ganzen Zipp und Zapp.

Vielen Dank für die beeindruckenden Referate von Paul Brune, Stewo und Gerhard!!

Merci Merci für Grog, Mettfabrik, Nic Knatterton, Kutlu Soloprojekt und und Du und Ich Tanzen!

Wir sehen uns vor den Knästen, auf den Baustellen und sonst überall draußen….

Für eine Gesellschaft ohne Knäste!!

Kundgebungen vor den Knästen in Aachen und Rheinbach

Solidarität mit den Gefangenen! Kundgebung vor den Knästen in Aachen und Rheinbach und Diskussionsveranstaltung in Köln am 26. September

Für den 26. September werden vor den Knästen in Aachen und Rheinbach solidarische Kundgebungen organisiert. Am Abend wird in Köln eine Diskussionsveranstaltung stattfinden. Alle weiteren Infos sind in den zwei Aufrufen zu finden, einer von ABC Berlin, ABC Orkan und ABC hooded crow und der von AKP Köln.

Bei Fragen meldet euch bei uns.
Solidarität mit den Gefangenen! Kundgebung vor den Knästen in Aachen und Rheinbach und Diskussionsveranstaltung in Köln am 26. September
Knäste und die damit zusammenhängenden Repressions- und Unterdrückungsmechanismen stellen für viele immer noch ein Thema dar, mit welchem sich lieber nicht beschäftigt wird und es werden keine Gedanken über die Sinnhaftigkeit und Funktion von Knästen verschwendet. Außerdem besteht die Denkweise, dass diejenigen, die in den Knästen eingesperrt werden, dort schon zu Recht sitzen würden und es auch verdienen – sonst wären sie dort ja nicht gelandet. Aber sie sind Gefangene dieses Systems, des kapitalistischen Systems. Unzählige Gefangene sitzen in Deutschen Knästen, weil sie im Supermarkt geklaut haben, sei es durch eine gewisse Notwendigkeit (bsw. Armut) oder einfach nur aus dem Bedürfnis heraus sich auch mal was gönnen zu wollen, weil sie “Schwarz” gefahren sind oder wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtmG.).
Der Knast hat die Aufgabe die Gesellschaft in „gute” und „schlechte” BürgerInnen zu spalten, in diejenigen, die sich an die von den Herrschenden vorgegebenen Gesetze und Regeln halten und die andere, die der Gesellschaft und den aufoktuiertem Zusammenleben schädlich sind. Um zu strafen und abzuschrecken gibt es eine Vielzahl von Unterdrückungsmechanismen, an welcher Spitze der Knast steht. Dazu werden immer neue Gesetze und ausgefeiltere Methoden der Überwachung erzeugt, welche zusätzlich ein Klima der Angst erzeugen, welches es ermöglicht die Disziplinierung, Unterdrückung und Kontrolle der Gesellschaft voranzutreiben, was lediglich zur Festigung der Macht von denjenigen dient, die sie inne haben. Die Rechtfertigung dafür wird durch die Hetze von Medien und PolitikerInnen aufgrund einer vermeintlichen Bedrohung der Gesellschaft durch TerroristInnen geschaffen. Indem aber Menschen in Knäste gesperrt werden, wird nur von den wahren Kriminellen und TerroristInnenen abgelenkt – die die an der Macht sind und uns tagtäglich unsere Freiheit und Leben nehmen. Diejenigen, die dieses System der Ausbeutung und Unterdrückung aufrecht erhalten und unterstützen.

Wir erklären uns solidarisch mit den Inhaftierten, was aber nicht bedeutet, dass wir jedes Mal 100prozentig mit ihren Aktionen, Positionen, Analysen einverstanden sein müssen. Solidarität heisst für uns, ihnen Unterstützung zu geben, weil sie gegen dieses System und diese Gesellschaft kämpfen und eine ähnliche gesellschaftliche Utopie wie wir haben/einfordern. Allerdings scheinen uns die Gründe für dieses oftmals unsolidarisches Verhalten – hier in Deutschland – leider ziemlich klar zu sein: hier fehlt einfach eine Bewegung, welche die Abschaffung aller Knäste und Zwangsanstalten und darüber hinaus die Freilassung aller Gefangenen, und nicht nur der “politischen”, fordert. Wenn wir uns die Arbeit in politischen Gruppen und im Speziellen die Antirepressionsarbeit anschauen, stellen wir immer wieder fest, dass eine allgemeine Kritik an dem ganzen Strafsystem, an der Justiz, an den Knästen fehlt. Dieses Verhalten wollen wir versuchen zu durchbrechen am 26. September, in dem wir vor den Knästen in Aachen und Rheinbach Kundgebungen abhalten und am Abend in Köln eine Diskussionsveranstaltung veranstalten werden.

Wir werden die Kundgebungen speziell vor den Knästen in Aachen und Rheinbach abhalten, dort werden unsere Freunde und Weggefährten, die beiden spanischen Anarchisten José Fernandez Delgado und Gabriel Pombo da Silva, von den barbarischen Klauen des unmenschlichen Knastsystems festgehalten. Beide haben es geschafft aus der isolierenden und folternden Gewalt der Knästen in Spanien zu fliehen, mit welcher sie über 20 Jahren lang konfrontiert waren, ein Großteil der Zeit davon im FIES-Isolationssystem, weil sie die Freiheit lieben und sich die ganzen Jahre danach gesehnt haben.
Seit fünf Jahren sind sie in Deutschland inhaftiert, weil sie sich am 28. Juni 2004, zusammen mit Bart de Geeter und Gabriels Schwester Begonia, einer Polizeikontrolle in Aachen widersetzt haben, in der Folge es zu einer kurzzeitigen Geiselnahme kam. Für sie gab es in diesem Moment keine andere Möglichkeit als so zu handeln, angesichts der Tatsache von vielen weiteren Jahren hinter grauen Mauern. Am 28. September 2005 wurde José zu 14 Jahren, Gabriel zu 13 Jahren verurteilt. Die solidarischen Aktionen und Handlungen von Seiten der „deutschen Linken“ liessen ,und lassen immer noch, sehr zu Wünschen übrig, es wurde sich lieber von der ganzen Geschichte distanziert, da mensch nichts mit „Kriminellen“ und „Geiselnehmern“ zu tun haben wollte. Das ganze natürlich ohne auch nur einen Blick auf die Hintergründe und das was vorher passiert zu werfen und dass sie sich ebenso im Kampf gegen Repression und Gefängnisse, gegen Armut und Ausbeutung, gegen Ausgrenzung und Verfremdung befinden.
Unsere Solidarität an diesem Tag, dem 26. September, gilt nicht nur ihnen, sondern allen kämpfenden Gefangenen und denen, die unter der schweren Last des Weggesperrtseins zu leiden haben.

Treffpunkt für die Kundgebungen ist in Aachen in der Krefelder Straße 251 um 11.00 Uhr, in Rheinbach in der Aachener Straße 47 um 14.30 Uhr.

Die Diskussionsveranstaltung wird in Köln im Unicum (Alte Mensa) in der Universitätsstraße 15 ab 18.00 Uhr stattfinden.

Für eine Gesellschaft, in der es keine Knäste braucht!
Freiheit für alle!

Gegen die Mauern!
Am Samstag, 26.09. ist Anti-Knast-Aktionstag in NRW, genauer an den Knästen in Aachen und Rheinbach. “Autonomes Knastprojekt” aus Köln ruft dazu auf. Die beiden Knäste sind Langzeitknäste in dieser Region. Früher waren die meisten Gefangenen, die Kontakt zum AKP suchten, in Rheinbach. Von daher gab es auch viel Zusammenarbeit zwischen drinnen und draußen, einschließlich Knastkundgebungen und Öffentlichkeitsaktionen derer, die sich draußen bewegen konnten. Aber als fast alle Rheinbacher in den damaligen Neubau nach Aachen verlegt wurden, schwand diese Tradition. Die Kölner/innen bedauern, schon lange keine Knastkundgebungen mehr zustande bekommen zu haben, weil die Begeisterung vor Knästen zu demonstrieren nicht sehr groß ist. Auch, weil nicht mehr so viele Nachrichten nach draußen gelangen, die spezielle Anlässe der Mobilisierung sein könnten.

Diese lokale Schwäche kann aber ausgeglichen werden, weil sich auch Genoss/inn/en aus größerer Entfernung für diese beiden Knäste interessieren und die Kundgebungen mit angeregt haben. Es sind solche, die sich grundsätzlich gegen Knast engagieren, die aber auch zwei Genossen grüßen möchten, zu denen sie Kontakt haben bzw. die sie mit einem Zeichen der Solidarität unterstützen möchten. Es handelt sich um Gabriel Pombo da Silva und José Fernandez Delgado, zwei spanische Anarchisten, die seit Mitte 2004 in den Klauen der deutschen Justiz sind. Zuvor waren sie jeweils lange in spanischen Knästen und, weil sie dort Widerstand leisteten, schon dort, wie jetzt auch in Deutschland, unter repressiver Sonderbehandlung. Das Knastsystem in Spanien hat beide politisch radikalisiert. Als Reaktion auf den enormen Druck, der auf sie ausgeübt wurde. Aber auch als Folge der Rebellionen, bei denen in einigen spanischen Knästen eine Mehrzahl von Gefangenen zusammen handelte. Hier in Deutschland oder überhaupt in der jetzigen Zeit ist die Repression nicht geringer, doch sie schafft es, Gefangene noch besser zu vereinzeln. Aber Gabriel und José beteiligen sich auch hier an Aktionen der Verteidigung von Gefangeneninteressen und Menschenrechten, so weit es ihre Isolationsbedingungen zulassen und so weit sie von speziellen Anlässen und Zusammenschlüssen Kenntnis haben.

Also: 26.9. Knastkundgebungen in Aachen, Krefelder Straße 251, 11 Uhr und Rheinbach, Aachener Straße 47, ca. 14 Uhr (schätzungsweise eher 14.30)
- in Solidarität mit allen Gefangenen, die nicht nach oben buckeln und nach unten treten,
- in Solidarität mit allen Gefangenen, die besonderem Druck ausgesetzt sind, weil sie sich dem Knastsystem nicht widerstandslos unterwerfen
- gegen alle Sonderisolation
- in der langfristigen Perspektive für Gesellschaft ohne Knäste, ohne Repression, ohne Privilegien und ohne Herrschaft.

Am Abend des gleichen Tages ist noch eine Anti-Knast-Veranstaltung in Köln vorgesehen.
Ort: Unicum, (Alte Mensa) Universitätsstraße 15 , Köln, Zeit: 18 Uhr
Wie die ablaufen soll, ist noch nicht ganz klar. Die Fragestellungen sind bisher:
Können wir breite Bündnisse gegen das Repressionssystem entwickeln?
Können die Forderungen:
- Kein Knast für Schwarzfahrer und Eierdiebe (inkl. der entsprechenden “innen”) und
- Aufhebung der Trakte und Sonderisolationseinrichtungen
- Keine Sicherungsverwahrung für Eigentumsdelikte Ausgangspunkte solcher Bündnisse sein?
Immer unter der Voraussetzung, dass wir Initiator/inn/en Knast und Sicherungsverwahrung grundsätzlich ablehnen. Oder sind solche Teilforderungen Verrat an unseren langfristigen Zielen?

Die Veranstaltung soll Teil der Auseinandersetzung sein zwischen Aktivist/inn/en aus verschiedenen Städten, die einen Schwerpunkt auf Anti-Knast-Engagement legen, aber offen für Aktive aus anderen Bewegungen. Die Frage, wann Reformismus beginnt und welche konkreten Schritte vorwärts führen können zu radikaleren Veränderungen, betrifft alle Bewegungen. Und unser ganzes Gesellschaftssystem enthält viele Knaststrukturen, ist geprägt von Repressionen und Ausgrenzungen. Das geht alle an. Zudem sollte Knast als Spitze des Eisberges wieder stärker in den Blickpunkt der Bewegungen gelangen. Damit es wieder mehr praktische Zusammenarbeit zwischen drinnen und draußen gibt. Damit wir in gemeinsamer Zielsetzung gegen die Strukturen des herrschenden Systems angehen können.

Konkrete Nachfragen: AKP Köln, Kalk-Mülheimer Str.210, 51103 Köln

Jugendknast und kein Ende

Wir sind heute hier, weil wieder mal ein neuer Jugendknast gebaut werden soll. Ich gehöre zu denen, die selbst mal unter Jugendknast zu leiden hatten. 1972 wurde ich wegen 5 Gramm Shit zu 9 Monaten Jugendknast verurteilt. Die damalige Verhandlung hat sich wie ein Film in mein Gedächtnis eingebrannt. Der Staatsanwalt zeigte in der Verhandlung Fotos von Herointoten in München und faselte davon, dass Shit die Einstiegsdroge sei und sprach von General-und Spezialprävention. Ich saß nur da und dachte „die spinnen“. Schließlich ging es um 5 Gramm Shit und nicht um ein Kilo H. Nach 2 Stunden machten sie dann kurzen Prozeß und schickten mich 9 Monate in den Jugendknast.
Ich kam nach Niederschönenfeld (Bayern) und landete dort in einem der damals üblichen 8-Mann-Säle. Wie so üblich wurde ich am ersten Abend vom „Saalchef“, einem 20-jährigen Kleiderschrank, der im Hauptberuf Zuhälter war, vergewaltigt, d.h. anal penetriert. Während der ganzen Prozedur dachte ich an die selbstgerechten Gesichter des Staatsanwalts und des Richters, die mich in diese Lage gebracht hatten. Die ganze Vergewaltigung hatte wie üblich nix mit Sexualität zu tun. Es ging dem „Saalchef“ darum seine Position zu zementieren. Mir geht’s hier nicht darum, die Gewalt unter Gefangenen, die es grade im Jugendknast sicherlich gibt, zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Meine Anklage richtet sich gegen das System Jugendknast, das nicht nur Gewalt unter den Jugendlichen fördert, sondern selbst gewalttätig ist. Auf die Gewalt der Institution will ich nun eingehen.

Als Erst“täter“ „durfte“ ich als Freigänger bei einem benachbarten Bauern in dessen Champignonzucht arbeiten. Ein sehr fragwürdiges Vergnügen. Da eine Scheune grade umgebaut wurde, mußten wir den ganzen Tag Bauschutt mit der Schubkarre wegbringen. Es war Winter und arschkalt und wir hatten nicht mal Handschuhe. Ich hab furchtbar gefroren. Nach ein paar Tagen bin ich dann während der Mittagspause einfach in den Wald abgehauen. Nach einem Tag hatten mich dann die Bullen im Wald aufgespürt und nach Niederschönenfeld zurückgebracht. Im anschließenden Disziplinarverfahren bekam ich dann 4 Wochen verschärften Arrest. Arrest, das bedeutet Unterbringung in einer total kahlen Zelle im Keller. Verschärfter Arrrest bedeutete, daß dir die Matraze weggenommen wird. Du mußt auf einem harten Holzbrett schlafen und bekommst nur zwei Decken. Außerdem erhältst du kein normales Essen, sondern nur morgens einen sogenannten Kaffee(der mit dem Heißgetränk gleichen Namens nichts zu tun hat) und 3
Scheiben Brot. Abends gibt es dann sogenannten Tee und 3 Scheiben Brot. Hofgang entfiel ebenso. Jeder dritte Tag war dann normaler Arresttag. D.h. 2 Tage verschärft, 1 Tag normaler Arrest. Ansonsten hättest du die 4 Wochen garnicht durchstehen können. Nach den 4 Wochen konnte ich mich kaum noch bewegen. Der ganze Körper schmerzte einfach.

Der verschärfte Arrest wurde mit der Einführung des Strafvollzugsgesetzes zwar abgeschafft, aber die Justiz hat immer noch genug Möglichkeiten, Gefangene zu quälen. Deshalb stehe ich heute mich Euch hier. Weg mit allen Knästen und mit den Jugendknästen fangen wir schon mal an.

G:
Autonomes Knastprojekt Köln




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