Die Überflüssigen eröffnen die Kulturhauptstadt!

Wir sind das FEUER!

Recht auf Stadt und Land…

Die Überflüssigen eröffnen die Kulturhauptstadt!

Wir melden uns live vom kohlschwarzen Teppich in der Zeche Zollverein.:

Verehrte Anwesende, liebe prekäre Kolleginnen und Kollegen, Taschendiebe und Schneeräumer.

Wir sind die Überflüssigen und feiern heute die Eröffnung der Kulturhauptstadt auf unsere Weise.
Wir protestieren hier im 5 Jahr von Hartz IV gegen die unwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse in diesem reichen Land. Den „Ehrengästen“ aus Politik und Wirtschaft rufen wir zu: Ihr seid hier überflüssig!

Wir sind die Hartz IV-EmpfängerInnen, die in den ARGEN und Jobcentern gezielt gedemütigt werden. Wir sind die Kurzarbeiter, die großen Sorgen um ihrer Arbeitsplätze haben, wir sind die prekär Beschäftigten mit Niedriglohn und die Ein Euro Jobber!
Wir sind unbezahlten Praktikanten und „Freiwilligen“!
Wir sind die schlecht bezahlten freien Künstler und Schauspieler,die hier von der Kulturhauptstadt zuerst gegeneinander ausgespielt, und dann vernutzt und ausgebeutet werden.

Diese Kulturhauptstadt ist überflüssig
Wir wenden uns mit unserer Aktion gegen eine Kulturpolitik, die nur noch kapitalistische Standortpolitik ist. Während die finanzielle Unterstützung für die normale kulturelle Infrastruktur für die Theater und freie Kulturszene überall heruntergefahren wird, zerstört die Festivalisierung im Ruhrgebiet langfristig die erkämpfte kulturelle und soziale Infrastruktur.
Für eine kurzlebige Show wurden Millionen investiert, gleichzeitig sind fast alle Ruhrgebietsstädte pleite, in Essen muss mangels Kohle sogar eine Grundschule geschlossen werden. Mitten im Ankündigungsgetöse des Spektakels droht einigen Theatern das Aus – weil die Städte überschuldet sind. In Wuppertal z.B. steht das Schauspiel vor dem Aus. Über die Bühnen von Hagen, Essen und Oberhausen wird diskutiert.

Das Kulturhauptstadtspektakel verdrängt mit viel Geld die soziale Realität aus Massenarbeitslosigkeit, Niedriglohn und Kinderarmut. Das Versprechen, die sog. Kreativitätswirtschaft würde mit ihren Wachstumsraten auch die ehemaligen Nokia- und OpelarbeiterInnen von der Strasse holen, ist lächerlich. Die Erwerbslosenquote liegt im Ruhrgebiet mit über 10 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt, und in einigen Städten wie z.B. Gelsenkirchen erreicht sie zeitweise fast 18 % . Die Armut konzentriert sich in bestimmten Stadtvierteln, schon lange gibt es Armutsquartiere, in die „die Überflüssigen“ abgeschoben werden und in denen eine verfestigte soziale Benachteiligung im Straßenbild sichtbar ist. Erschreckend ist auch die im Vergleich mit anderen Regionen auffallend geringe durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen im Ruhrgebiet.

All das kommt in den langweiligen Metropolenträumen der Kulturhauptstadt nicht vor. Die Selbstinszenierung von Maloche, Schweiss, von schlechtem Bier und Grönemeyer soll die realexistierende Klassengesellschaft und die lange Geschichte von Widerstand und Klassenkämpfen unsichtbar machen. Ausbeutung und unwürdige Lebensverhältnisse, Nazibanden in Dortmund und rassistische (Polizei) Gewalt sind in der schönen neuen Welt der Kreativitätwirtschaft nur ein hippes Bühnenbild für die Kulturevents. Wir müssen daher wieder sichtbar werden mit unseren Wünschen und Vorstellungen von einem ganz anderen Leben!
Lasst uns gemeinsam für eine soziale und kulturelle Infrastruktur kämpfen, die nicht abhängig von der Großzügigkeit und Kulturbeflissenheit von reichen Gönnern ist. Kostenloses Schulmittagessen, öffentlich finanzierte Theater, Freie Kultur und Museen, ein kostenloserr öffentlicher Nahverkehr, kostenlose Kita-Plätze bis zum gebührenfreien Studium sind keine Luxusforderungen, sondern der Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe. Schlagen wir die Angriffe der FDP-CDU-Regierung zurück, die Reste der paritätisch finanzierten Gesundheitsversorgung durch die Kopfpauschale zu zerschlagen. Verjagen wir die Hartz IV-Schnüffler und kämpfen wir für ein bedingungsloses Grundeinkommen!

Recht auf Stadt
„Uns gehört die Stadt“, diese alte Parole aller sozialen Kämpfe gilt es wieder zu beleben. Gegenwehr und Aufbau neuer solidarischer Strukturen gehören zusammen. Wir halten es mit dem Intendanten des Tanztheaters in Mexiko-City John Holloway „Wir bitten niemandem um etwas, vielmehr erschaffen wir hier und jetzt unsere kreative Aufsässigkeit, indem wir so weit wie möglich die Momente und Räume ausweiten, in denen wir sagen: Nein, wir beugen uns nicht den Anforderungen des Kapitals, wir werden etwas anderes machen, wir werden die Selbsthilfe fördern, die Kooperation, die Erschaffung gegen das Kapital. Es ist nicht leicht, es ist nicht offensichtlich, aber dies ist die Richtung, in die wir uns bewegen müssen, die wir erkunden müssen. Mit Wut, aber mit einer Wut, die andere Perspektiven eröffnet, die andere Dinge erschafft, eine Wut der Würde. (aus dem Grußwort von John Holloway)
Auf diese Wut setzen wir. Selbstorganisierung und Selbstermächtigung sind auf lange Sicht die einzige Perspektive den Zumutungen zu entfliehen und was Neues aufzubauen!
Jahr des Aufstands?

Wir begehen dieses Jahr auch den 90. Jahrestag der Märzrevolution, dieser einzigartigen Aufstandsbewegung gegen den Kapp-Putsch und für eine soziale Revolution im Ruhrgebiet und im Bergischen Land. Wir hoffen schwer, dass diese emanzipatorische Bewegung auch gleich in der Tanzrevue zur Geschichte des Ruhrgebiet vorkommt… Auch wenn die Kämpfe der Roten Ruhrarmee und die Streiks der Arbeiterschaft für eine umfassende Sozialisierung und für einen wunderbaren Rätekommunismus in der offiziellen Geschichtskultur vergessen sind, sind die Forderungen des kurzzeitig kämpfenden Proletariats äußerst aktuell.
.
Wir wollen nicht im Staube kriechen vor denjenigen, die durch den Zufall ihrer Geburt sich ein Von-Oben-Herabblicken anmaßen dürfen.
Wir wollen nicht weiterhin besitzlose Proletarier sein, sondern wir verlangen Eigentumsrecht an den Produktionsmitteln.

Wir verlangen Eigentumsrecht an den von uns erzeugten Produkten.
Wir verlangen Eigentumsrecht an den Schätzen, die sich auf und unter der Erde vorfinden.
Wir verlangen das Paradies auf Erden und lassen uns nicht länger mit der Hoffnung auf ein besseres Jenseits abspeisen.
(Vollzugsrat der Arbeiter der Zeche Zollverein im März1920)

P.S. Wir sind das Feuer. Kämpft Freunde und Freundinnen. Im Gedenkjahr sind zahlreiche Veranstaltungen, historischen Spiele und Aufstände geplant. Achtet auf Ankündigungen….
http://huschhusch.blogsport.de/2009/09/18/zur-maerz-revolution/

Metropolenträume ausgeträumt
Administrator
am
9. Januar 2010
in Allgemein
0 Kommentare

»Metropolenträume in der Provinz?«

RUHR.2010 startet und Häme wäre eine angemessene Reaktion. Viele der geplanten Projekte werden angesichts der Finanzierungsprobleme der Kulturhauptstadt und leerer kommunaler Haushaltskassen nicht realisiert werden.

»Wohnt der Grönemeyer nicht in London?«

In Bochum untersagte die Bezirksregierung eine weitere Verschuldung der Stadt, mit der der Bau des geplanten Konzerthauses finanziert werden sollte. Stattdessen soll nun ein umfassendes Sparprogramm helfen, den Haushalt soweit zu sanieren um auch am Bau eines Konzerthauses festhalten zu können. Wie üblich soll dabei besonders im sozialen Bereich an öffentlicher Infrastruktur gespart werden, was zeigt, dass im Ruhrgebiet Kritik und Protest statt Häme auf der Tagesordnung stehen müsste.

»Muss ich mich auch wandeln?«

Der „Strukturwandel“ zur Kulturhauptstadt wird genauso an der Mehrheit der BewohnerInnen des Ruhrgebiets vorbei gehen wie schon die Technologieparks der 80er und 90er Jahre. Und mehr noch: Die von der Deindustrialisierung zurückgelassenen Menschen spielen für einen „Wandel durch Kultur“ auch keine Rolle.

»Kann man im Theater mehr als klatschen?«

Die Kulturhauptstadt 2010 agiert mit einem ausgrenzenden und instrumentellen Kulturverständnis. Kultur dient in erster Linie als Werkzeug zur Wirtschaftsförderung, von der nur eine Minderheit profitieren wird. Die Entdeckung der Kreativwirtschaft als trendige Urbanisierungsmaschine, die gefördert werden muss, reduziert Kreativität auf eine Geschäftsidee.

»Ist auch Altenessen Kulturhauptstadt?«

Ein solches Verständnis von Kultur als Standortfaktor kann im Ruhrgebiet nur scheitern. Schadenfreude ist jedoch unangebracht, sondern eher Wut über die Ignoranz gegenüber einer sozialen Alltagskultur, die sich hinter dem Wortgeklingel der Kulturhauptstadt und ihrem bunten Bespaßungsprogramm versteckt.

»Schwimmen Sie im Geld oder im Stadtteilbad?«

Was aber könnte „Strukturwandel“ für das Ruhrgebiet jenseits von „Kreativwirtschaft“ und Kulturhauptstadtmarketing bedeuten? Die Suche nach möglichen Anworten sollte sich vom Zwang der unbedingten ökonomischen Verwertbarkeit lösen. Die Milliarden, mit denen das unvermeidliche Sterben des Bergbaus hinausgezögert wurde, hätten sinnvoller eingesetzt werden können.

»Bist du schon mal mit der Straßenbahn von Gelsenkirchen-Buer nach Bochum-Laer gefahren?«

Eine Basisforderung hat jedoch auch heute noch unbedingte Gültigkeit: Wenn öffentliche Gelder im Ruhrgebiet investiert werden, sollten sie den Menschen zugute kommen, die hier leben. Das bedeutet, dass kulturelle Infrastruktur in erster Linie soziale Infrastruktur sein muss. Dazu gehört die Entwicklung von Bildungsangeboten, die nicht selektieren, sondern fördern, ebenso wie die Finanzierung von Stadtteilzentren, ein schneller bezahlbarer öffentlicher Nahverkehr oder Schwimmbädern.

»Kann ich auch eine Kulturhauptstadt haben?«

Denn wer hier lebt, weiß: Das Ruhrgebiet ist keine Metropole und die Kulturhauptstadt keine Chance, sondern ein leeres Versprechen. Daher fordern wir dazu auf, sich ins Kulturhauptstadtspektakel einzumischen, sich Räume zu nehmen und mit den eigenen Wünschen zu füllen, Unsichtbares sichtbar zu machen, Fragen zu stellen und mögliche Antworten zu diskutieren

AG Kritische Kulturhauptstadt 01/10

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9 Antworten auf „Die Überflüssigen eröffnen die Kulturhauptstadt!“


  1. 1 Administrator 09. Januar 2010 um 23:41 Uhr

    Hertener Zeitung
    Ticker aus Essen
    Ruhr.2010-Eröffnung – Köhler lobt Menschen im Revier
    Von Bettina Jäger / Karin von Cieminski am 9. Januar 2010 16:39 Uhr
    ESSEN Die offizielle Eröffnungsfeier der Ruhr.2010 hat um 15.30 Uhr begonnen und endetet gegen 16.30 Uhr mit der Grönemeyer-Hymne. Um 18 Uhr geht es weiter mit dem Programm. Alle Infos und Höhepunkte erfahren Sie hier in unserem Live-Ticker [mit Karte].
    Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt „Ruhr.2010″
    Künstler trommeln in der Kokerei Zollverein in Essen während der Eröffnungsfeier der Kulturhauptstadt „Ruhr.2010″auf Fässern.
    Foto: dpa
    16:37 Uhr: Vorerst ist alles vorbei. Um 17 Uhr feiert das Ruhr Museum Eröffnung – aber nur mit geladenen Gästen. Morgen wird es erst öffentlich. Und um 18 Uhr können Kulturbegeisterte ihre Kulturhauptstadt feiern. Dann geht es nämlich weiter mit dem ruhr.2010-Programm.

    16:20 Uhr: Klare Botschaft: „Ich mein ja nur. Komm zu Ruhr.“

    16:16 Uhr: Die ersten Klänge… Grönemeyer trägt keinen Hut. Nicht mal ne Mütze.

    16:15 Uhr: Die Grönemeyer-Premiere beginnt!

    16:12 Uhr: Das Publikum wird richtig mitgerissen. Köpfe zucken zur Musik hin und her. Ruhr.2010 rockt und swingt. Da ist für jeden was dabei.

    16:08 Uhr: Ein Glück-auf-Volkslied. Das Publikum singt mit. Kultur für alle und von allen!

    16:07 Uhr: Rasante Seil-Hüpf-Nummer zu Saxophonklängen.

    16:05 Uhr: Nun gibt es Ruhrgebiets-Rap. Die Tanzeinlagen sind eher verhalten.

    16:04 Uhr: Die Besen-Jungs haben heute richtig viel zu tun. Sie sausen nur so über die Bühne.

    16:02 Uhr: Die Tänzer auf der Bühne sind ganz nasse. Sie rollen sich über die Bühne. Die Bewegungen halten aber wohl warm. Und das Salz scheint auch zu helfen: Noch ist niemand ausgerutscht.

    15:53 Uhr: Tolle Kulisse in Essen bei lautem Getrommel: Schwarzweiß-Bilder auf großen LED-Screens erinnern an den RuhrSprung.

    15:48 Uhr: Auf der Bühne ist es laut: Schläge von Metall auf Metall – die Blue Man Group gibt alles. Etwas wärmer wird’s dabei durch Feuer auf der Bühne. Das freut die ersten Reihen des Publikums.

    Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt „Ruhr.2010″ – Ruhr Museum
    NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (l.), Museumsdirektor Ulrich Borsdorf (M.) und der Präsident der Europäischen Kommission Jose Manuel Barroso bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung der Kulturhauptstadt „Ruhr.2010″.
    Foto: dpa
    15:45 Uhr: Die Bühne wird noch mal gereinigt und gestreut. Jetzt startet das kulturelle Unterhaltungsprogramm.

    15:45 Uhr: Bei der Feier gibt es kaum jemanden ohne Hut…

    15:44 Uhr: Rüttgers will die Kreativquartiere weiter fördern. Auch nach der Kulturhauptstadt. Sie ständen unter anderem für Kultur von allen und für alle.

    15:42 Uhr: Wir sind europäisches Kernland. „Wir“ ist das Ruhrgebiet. Und einen besseren Ort als Essen hätte es nicht geben können, sagt Rüttgers.

    15:41 Uhr: Jetzt spricht Jürgen Rüttgers: „Ein Traum geht in Erfüllung!“

    15:40 Uhr: Barroso bemerkt trocken: „Und Fußball wird hier auch gespielt“ – ganz klar: Das Ruhrgebiet hat viele Qualitäten!

    15:38 Uhr: José Manuel Barroso tritt ans Redner-Pult. Er spricht auf deutsch.

    Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt „Ruhr.2010″ Köhler
    Wir sind Kulturhauptstadt: Freudig winkt Bundespräsident Horst Köhler dem Publikum bei der Eröffnugnsfeier mit seinem Hut.
    Foto: dpa
    15:38 Uhr: Köhler schließt seine Rede mit einem „Herzlichen Glückauf“ für die Kulturhauptstadt.

    15:38 Uhr: Das Publikum sieht ganz schön verfroren aus. Aber die bunten Plastik-Ponchos ergeben ein schönes Bild.

    15:36 Uhr: Ruhr.2010 ist laut Köhler keine elitäre Veranstaltung.

    15:34 Uhr: Horst Köhler spricht. Dick eingemummt im Mantel – und mit Hut.

    15:30 Uhr: Der Festakt beginnt.

    15:27 Uhr: Ruhr.2010-Nachzügler stauen sich vorm Eingang. Alles wartet auf Horst Köhler. Danach dürfen die anderen Gäste auch zu ihren Plätzen.

    15:25 Uhr: Bundespräsident Horst Köhler ist vorgefahren. In einem Tross von 15 Wagen.

    15:20 Uhr: Alle sitzen auf ihren Plätzen. Fritz Pleitgen hat schon Platz genommen. Man wartet noch auf Horst Köhler. Er soll aber schon angekommen sein.

    15:17 Uhr: Obowhl bisher alles trotz Schnee normal verlief – jetzt gibt es ein Problem: Auch die Bühne ist voller Schnee. Mit Schiebern versucht man die Bühne zu räumen. Es wird viel Salz gestreut. Schließlich sollen hier auch Akrobaten auftreten.

    15:15 Uhr: Es schneit „wahnsinng“ in Essen, berichtet Redakteurin Bettina Jäger. Das Publikum trägt bunte Plastikumhänge in den Farben von Ruhr.2010: gelb, hellgrün, pink und blau.
    Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt Ruhr 2010
    Demonstranten, die sich selbst die Überflüssigen nennen, protestieren vor Beginn der Feierlichkeiten zur Eröffnung der Kulturhauptstadt „Ruhr 2010″ gegen das Hauptstadtspektakel, das ihrer Meinung nach zu viel Geld kostet.
    Fotos: dpa

    15 Uhr: Alle Promis sind vom roten Teppich runter. die Letzten waren Oliver Bierhoff, Sönke Wortmann und Norbert Lammert. Die Reporter fast alle weg. Da treten Menschen mit weißen Masken und roten Pullis auf den Teppich – den Schriftzug „Die Überflüssigen“ auf dem Rücken. Sie Protestieren gegen Ruhr.2010 und die Kosten. Parallel weisen sie auf die Armut der Komunen hin.

    14:57: Auch das Projekt Jeki (Jedem Kind ein Instrument) ist in Essen mit dabei. Die Vertreter Manfred Grunenberg und Gabriele Spengler, sehen Jeki als einen Beitrag für die Nachhaltigkeit der Kulturhauptstadt.

    14:50: Hannelore Kraft (SPD), der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Dr. Ottilie Scholz, Bochumer Bürgermeisterin, sind zur Eröffnung gekommen. Ottilie Scholz bat darum, sich nicht nur auf das Konzerthaus in Bochum zu konzentrieren. „Ruhr.2010 ist viel mehr.“

    Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt Ruhr 2010
    Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan kam elegant mit Pelzmantel und -mütze.
    Foto: dpa
    14:48: Marie-Luise Marjan ist die eleganteste Dame am Platz: in einen bodenlosen lila Pelzmantel gehüllt betritt sie den roten Teppich. Die wärmende Kopfbedeckung ist ebenfalls aus Pelz – allerdings aus schwarzem.

    14:42: Rita Süssmuth ist überzeugt, dass Ruhr.2010 ein Erfolg wird. Gefragt zum Wetter sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin: „Das finde ich spannend. Auch wenn ein blauer Himmel über der Ruhr eigentlich passender wäre.“

    14:40: Am roten Teppich in Essen ist viel los. Trotz dichtem Schneetreiben.

    14:16 Uhr: Unsere Reporterin hat mit einem der Tänzer, Jonas Hein, gesprochen. Er ist zuversichtlich, dass alles klappt. „Bei 20 Grad und Sonne kann ja schließlich jeder tanzen.“ Dennoch soll wohl die ein oder andere Figur im Programm weggelassen werden.

    14:11 Uhr: Die Veranstalter raten, nicht mit dem Auto anzureisen. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, zudem sind die wenigen Parkplätze der prominenten Besuchern vorbehalten. Auch das Bundeskriminalamt ist vor Ort. Die Eröffnungsfeiert findet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt.

    14:04 Uhr: Die Anspannung steigt: Die Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier laufen auf Hochtouren, doch noch sind die meisten Menschen vor Ort mit Räumungsarbeiten beschäftigt. Die Sitzplätze im Zuschauerbereich sind mit blauen Mülltüten bedeckt, auch die Bühne ist unter Schutzplanen versteckt. Es schneit wie auch im Rest von Nordrhein-Westfalen.

  2. 2 Administrator 10. Januar 2010 um 14:58 Uhr

    http://kultur-freizeit-nrw.blog.de/2010/01/09/ruhr-2010-feuer-7722257/#

    Neben den gut gelungenen Festakt kann ich vorab hier schon mal über einen kleinen „Zwischenfall“ berichten:

    Während sich die Prominenz sich nach und nach über den „Kohlschwarzen Teppich“ zur Eröffnungsfeier eingefunden hat, tauchte plötzlich ein kleine Gruppe von Demonstranten auf. Ca. 8-9 Leute – alle mit weißen Masken und roten Kapuzenpullis „verkleidet“ – verkündeten lautstark, dass die „Überflüssigen die Kulturhauptstadt“ eröffnen. Die gesamte Aktion bestand im grundsätzlichen darin, dass die Demonstranten ihre Forderungen (hinzu in Kürze mehr) über ein Megaphone verlesen haben und Flugblätter verteilten. Da es sich aber offensichtlich um eine nicht angekündigte Demonstration handelte, verstand die Polizei kein Spaß.

    Nachdem die Forderungen verlesen waren, machten sich die Demonstranten auch schon schnell wieder aus dem Staub, wie sie gekommen waren. Insgesamt also eine mehr als friedliche Aktion, die von ein paar sehr engagierten Jugendlichen ausgeführt worden war. Nachdem sie ihre Masken und Kapuzenpullis abgelegt hatten, versuchten sie „unerkannt“ wieder zu verschwinden, wurden dabei aber von der Polizei aufgegriffen. Die Polizei war etwa doppelt so stark vertreten, wie die Anzahl der Demonstranten hergab. Unter friedlichen Protest der jugendlichen wurden dann die Personalien aufgenommen und Fotos der einzelnen Personen gemacht. Da wie gesagt, die Demo offensichtlich nicht angemeldet war, sicher eine routinemäßige Aktion der Polizei, die aber bei den Demonstranten und einigen „Zuschauern“ auf Unverständnis stieß. Mir selbst taten die jungen Menschen auch ein wenig leid, wobei ich aber auch nicht beurteilen kann, welchen Handlungsspielraum die Polizei bei so einer Aktion hat. Bleibt also zu hoffen, dass das ganze kein großes „juristisches“ Nachspiel für jungen Aktivisten haben wird.

  3. 3 Administrator 10. Januar 2010 um 17:48 Uhr

    Europäische Kulturhauptstadt 2010
    Happening für alle

    Was vor zwanzig Jahren mit dem IBA-Emscher-Park begann, will „Ruhr.2010″ unter dem Label Europäische Kulturhauptstadt fortschreiben: den Imagewandel des Ruhrgebiets. VON ANDREAS WYPUTTA

    Am Anfang war der Mut. Angekündigt war ein Schneesturm der Windstärke Zehn. Zur Eröffnungsfeier der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 schickte der Theater- und Filmregisseur Gil Mehmert die Tänzer, Sänger, Drummer seiner Revue „Wir sind das Feuer“ trotzdem auf die Freilichtbühne vor den Koksöfen der Essener Zeche Zollverein.

    Eine Zeitreise durch das Ruhrgebiet, vom Kohle- und Stahlstandort hin zu einer Metropole europäischen Ranges wollte der an der Folkwang-Kunsthochschule lehrende Professor dem aus 1.200 Honoratioren zusammengesetzten Publikum bieten. Er produzierte, vom ZDF live übertragen, die „schönen Bilder“, von denen die Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Ruhr, der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, und Essens Exkulturdezernent Oliver Scheytt seit Jahren träumen: Bilder, die die Metamorphose des Ruhrgebiets vom Malocher(alb)traum zum Dienstleistungsstandort mit einem Schwerpunkt der kreativen Kulturwirtschaft versinnbildlichten.

    Und Pleitgen, Scheytt und Mehmert hatten Glück: Zwar fror Bundespräsident Horst Köhler im Schnee genauso wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die Bürgermeister der 53 Städte, die sich hinter der Kulturhauptstadtbewerbung Essens „für das Ruhrgebiet“ versammelt haben, doch Zehntausende nutzten am Wochenende die grandiose Kulisse der Zeche Zollverein für ein Volksfest: Auf Zollverein, einst Sinnbild des Niedergangs von Kohle und Stahl und damit der wirtschaftlichen Misere der Region, präsentierte Ruhr.2010 Musik und Film, Theater, Kabarett und Tanz. „Wunderschön“ seien die fantastisch beleuchteten gigantischen Industrieanlagen, hauchte ein berührter Anwohner aus dem angrenzenden Arbeiterstadtteil Katernberg in sein Handy – und fluchte gleichzeitig: „Und ich Idiot habe natürlich die Kamera vergessen.“

    Mut und Glück

    Mut und Glück: Beides brauchte der Geograf und Stadtplaner Karl Ganser schon 1989. Erst seine visionäre Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA) schuf bis 1999 überhaupt die Grundlage für die Kulturhauptstadtbewerbung, mit der sich das Ruhrgebiet gegen neun andere deutsche Wettbewerber durchsetzen konnte. Verrückt schien damals Gansers Rede von der durch Kokereien, Chemieanlagen und Kraftwerken geschundenen Emscher Region als Parklandschaft: Die in eine gradlinige Betonrinne gezwängte Emscher galt Jahrzehnte als der schmutzigste Fluss Deutschlands.

    Heute wird nicht nur die Emscher durch eine milliardenschwere Renaturierung wiedergeboren – der Rückzug der Schwerindustrie schuf Raum für das, was die Raumplaner des Ruhrgebiets „Industrienatur“ nennen: Resistente Pflanzenarten siedeln in Birkenwäldern auf den alten Industriebrachen. Erst Gansers IBA machte die zurückgelassenen Standorte der Schwerindustrie für die Bewohner des Ruhrgebiets wieder begehbar, verband die Städte des Reviers auf den alten Zechenbahntrassen auf kürzestmöglichem Weg – und rettete mit einem Etat von rund 2,5 Milliarden Euro Ikonen der Industriearchitektur wie die Bochumer Jahrhunderthalle, den Oberhausener Gasometer und das zum Landschaftspark Nord umgewandelte ehemalige Thyssen-Stahlwerk in Duisburg.

    Heute dienen die von der IBA geretteten Kathedralen der Industriekultur als Standorte der Kulturhauptstadt Ruhr. In der für 55 Millionen Euro sanierten ehemaligen Kohlenwäsche von Zollverein führt seit dem Wochenende das Ruhr Museum durch Natur, Kultur und Geschichte des einst größten industriellen Ballungsgebietes Europas.

    Ganzjährig bespielt wird nicht nur Zollverein. Rund um den U-Turm, einst Sitz der Union-Brauerei, präsentiert Dortmund Musik, Theater und Kunst. Am 30. Januar eröffnet der von der Krupp-Stiftung des „letzten Ruhrbarons“ Berthold Beitz den mit 55 Millionen Euro gesponserten Neubau des Essener Folkwang-Museums. Von Februar bis Mai lädt die „Odyssee Europa“ ihre Besucher nicht nur zu Aufführungen in den Theatern Essen, Oberhausen, Bochum, Mülheim, Moers und Dortmund: Geboten wird auch eine „Irrfahrt durch die Zwischenwelt“ – Übernachtungen bei Freiwilligen aus dem ganzen Ruhrgebiet inklusive.

    Selbst die Autobahn 40, die Dortmund über Bochum und Essen mit Duisburg verbindet, wird im Juli auf 60 Kilometer Länge für ein riesiges Picknick gesperrt. Produziert werden einmal mehr Bilder: 22.0000 Biertisch-Garnituren sollen für eine schier endlose Tafel sorgen. Für einen Tag eingeebnet wird damit aber auch der Sozialäquator des Ruhrgebiets – im Norden der Autobahn stehen die noch immer billigen Arbeiterquartiere der einstigen Industrieanlagen, im Süden hat sich in Nachbarschaft der Prachtbauten der Krupps, Thyssens und Haniels das Bürgertum breitgemacht. Für alle Veranstaltungen der Kulturhauptstadt zusammen rechnen die Geschäftsführer Pleitgen und Scheytt mit über fünf Millionen Besuchern.

    Doch gerade diese Mischung aus Hochkultur und Happening, aus Identitätssuche und Imagepflege macht die Kulturhauptstadt angreifbar. „Den über 2.500 Veranstaltungen fehlt der rote Faden“, findet nicht nur der Regisseur Oliver Keymis, der als Kulturpolitiker der Grünen Vizepräsident des Düsseldorfer Landtags ist. Er vermisst einen „künstlerischen Grundgedanken, eine künstlerische Dramaturgie“. Unter dem „guten Slogan Wandel durch Kultur“ betrieben Pleitgen und Scheytt gutes Marketing, mehr nicht.

    Enttäuschung im Revier

    Unzufrieden ist auch die freie Kulturszene im Revier: „Grönemeyer reicht nicht“, kommentiert etwa Claudia Lüke, die mit ihrem Projekt „Urban Discovery“, der künstlerischen Neuinterpretation des postindustriellen Raums, aus dem Kulturhauptstadtprogramm ausgestiegen ist und ohne deren Label weitermacht. „Von der Ruhr.2010 gabs keine Unterstützung, kein Geld, keine Sponsoren, keine Werbung“, sagt die in Gelsenkirchen lebende Lüke enttäuscht. „Der überwiegende Teil der Künstler, Künstlerinnen und Kulturschaffenden aus der Region ist bei der Programmauswahl nicht berücksichtigt worden. Damit hat die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 eine ihrer großen Beteiligungschancen vertan“, schreiben auch die Kreativen des Essener Kulturzentrums Grend bereits auf ihrer Homepage.

    „Die Diskrepanz zwischen der großen Eröffnungsfeier und den aus der Not geborenen dramatischen Bittschreiben der Intendanten von Opern und Theaterhäusern ist groß“, warnt die Fraktionschefin der Landtagsgrünen, Sylvia Löhrmann. Unmittelbar nach dem Kulturhauptstadtjahr könne der Kultur an der Ruhr der Kahlschlag drohen, fürchten viele: So hat Wuppertal bereits angekündigt, sein Schauspielhaus schließen zu müssen.

    Große Versprechungen

    „Dieses Projekt ist immens politisch“, glaubt dagegen Kulturhauptstadtgeschäftsführer Pleitgen. „Auch gegen die Widerstände der Politik“ schaffe die Kultur ein neues Selbstbewusstsein der Region, versichert auch Pleitgens Mitgeschäftsführer Scheytt. Die Reaktion des politischen Establishments könnte den beiden recht geben: Nordrhein-Westfalens ehemaliger, von seinen einstigen Genossen an der Ruhr aber nur noch verachteter Ministerpräsident Wolfgang Clement verfasst in Springers Welt bereits Lobeshymnen auf die Metropole Ruhr. Dabei fürchtete der frühere Sozialdemokrat während seiner eigenen Regierungszeit nichts mehr als ein vereintes, weil übermächtiges Ruhrgebiet.

    Und Clements Nachfolger, der amtierende CDU-Regierungschef Jürgen Rüttgers, versprach schon bei der Eröffnungsfeier 15 Millionen Euro für die „Kulturquartiere“ der neuen Metropole. Die hätte der Arbeiterführerdarsteller eher für Pleitgens knappen 65-Millionen-Etat lockermachen sollen – er hätte bei der Eröffnung nicht im Freien frieren müssen.

    http://www.taz.de/nc/1/leben/kuenste/artikel/1/happening-fuer-alle

  4. 4 Administrator 10. Januar 2010 um 22:55 Uhr

    http://www.derwesten.de/staedte/essen/Beim-Sparen-kann-die-Kultur-nicht-tabu-sein-id2363095.html
    Interview : „Beim Sparen kann die Kultur nicht tabu sein“

    Essen. Regierungspräsident Jürgen Büssow über den Protestbrief des Aalto-Intendanten Stefan Soltesz, über Spar-Möglichkeiten beim städtischen Personal und den Zwang zu mehr kommunaler Zusammenarbeit.

    Herr Büssow, der Essener Kämmerer vermisst eine „Kultur des Sparens“ in der Stadt. Sie auch?

    Jürgen Büssow: Tatsächlich liefen die Sparbemühungen in Essen bisher sehr zurückhaltend, wenngleich ich zugebe, dass ich keinen kommunalen Finanzpolitiker um seine Aufgabe beneide. Den Interessen und Begehrlichkeiten aus den durchsetzungsstarken Sport-, Kultur- oder Sozialfraktionen muss man erst einmal standhalten. Die Finanzfraktion ist dann schnell allein. Ich plädiere für eine Gesamtschau.

    Was kann man überhaupt noch tun? Das meiste sind doch Pflichtaufgaben.

    Büssow: Es wird immer gesagt, bei den Pflichtaufgaben ist nichts zu machen. Ich sehe das anders. Es gibt durchaus Spielraum, etwa in dem die Städte voneinander lernen. Ich frage mich zum Beispiel, ob die vielen technischen Verwaltungsaufgaben wirklich in jeder Stadt vorgehalten werden müssen. Beispiel: Es muss in Essen selbstverständlich ein Standesamt geben, aber die technische Verwaltung des Ehestandswesens muss nicht zwingend in Essen stattfinden, da könnten sich mehrere Städte zusammentun. Wo der Computer steht ist doch egal. Ähnliches gilt für die Rechtsämter, Lebensmittelämter oder Veterinärämter. Auch eine städteübergreifende Zusammenarbeit der Feuerwehren wäre denkbar. So beispielsweise haben Wuppertal und Solingen eine gemeinsame Feuerwehrleitstelle eingerichtet. Es geht also.
    „Städtische Töchter stärker anschauen“

    Gibt’s beim Personal aus Ihrer Sicht Sparmöglichkeiten?

    Büssow: Die gibt es. Am besten wissen das die Verwaltungen selbst. So hat zum Beispiel die Zukunftskommission in Hagen 33 Millionen Euro Einsparungspotential bei Personalkosten gefunden. Es reicht dabei nicht der Blick auf die allgemeine Verwaltung, gerade in Essen muss man sich viel stärker als bisher die städtischen Töchter anschauen. Ich vermute hier erhebliche Sparreserven. Hier brauchen alle Beteiligten mehr Transparenz.

    Der Essener Intendant Stefan Soltesz hat sich in einem offenen Brief beschwert, immer würde beim Sparen zuerst an die Kultur gedacht.

    Büssow: Naja, das stimmt ja so nicht. Keine kommunale Einrichtung kann unter Tabu gestellt werden. Herr Soltesz hat insofern recht, als beim Sparen in der Öffentlichkeit vehement über die Kosten der Kulturinstitute gesprochen wird. Tatsächlich sind viele Städte bei uns im Hinblick auf ihre Aufgabenerfüllung unterkapitalisiert. Hier liegt das eigentliche Problem, wo Lösungen gefunden werden müssen. In dieser Debatte müssen Bund und Land mit einbezogen werden. Allein die Kosten für Unterkunft und Heizung der Sozialleistungsempfänger stellen für strukturschwache Städte große Belastungen dar. Hinzu kommen aktuell durch die Wirtschaftskrise Einbußen bei den Gewerbesteuereinnahmen. Trotzdem müssen sich in dieser Situation Kulturinstitute ebenso der Spardebatte stellen, wie andere kommunale Einrichtungen. Ein wenig mehr Transparenz, für Bürgerinnen und Bürger, wie viel einzelne Angebote die Städte tatsächlich kosten, hilft, eine offene und faire Debatte zu führen, die tragbare und nachvollziehbare Lösungen hervorbringt.

    Es heißt, das Sparen im Kulturbereich würde aufgrund der geringen Anteile sowieso wenig bringen.

    Büssow: Aus einer großen Anfrage der SPD-Fraktion stellt sich die Situation so dar: Essen gibt immerhin 3,6 Prozent des städtischen Gesamtetats für Kultur aus. Zum Vergleich: In Duisburg sind es 2,5 Prozent, in Oberhausen 1,8 und selbst im vergleichsweise wohlhabenden Düsseldorf nur 3,1 Prozent (Zahlen 2007). Wir müssen uns also ehrlich auseinandersetzen und gemeinsam prüfen, was die kulturelle Grundausstattung einer Großstadt ist, die wir nicht unterbieten können.

    Essen ist hat eben sich als Kulturstadt neu erfunden und einen guten Ruf erarbeitet.

    Büssow: Das stimmt und darauf darf die Stadt auch stolz sein. Trotzdem muss alles in Relation zu den Gesamtausgaben der Stadt gestellt werden. Hinzu kommt, dass gerade Essen unter Abwanderung leidet und infolgedessen die städtischen Leistungen anpassen muss. Das gilt auch für die Kultur. Ich bin sehr für Theaterkooperationen wie sie im Rheinland, etwa zwischen Krefeld und Mönchengladbach oder Düsseldorf und Duisburg, Tradition haben und auch das Bergische Städtedreieck versucht diesen Weg jetzt neu zu gehen. Auch so lässt sich die kulturelle Grundversorgung sichern, die natürlich notwenig ist.

    Was ist mit der jeweils eigenen Identität der Städte?

    Büssow: Die will ihnen auch keiner nehmen. Ich sehe nicht, dass die in Gefahr geriete. Bevor etwas geschlossen wird, müssen alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vernetzung ausgeschöpft sein. Von anderen Städten lernen, heißt vergleichen. Wir müssen den komparativen Blick schärfen.

  5. 5 Administrator 11. Januar 2010 um 0:41 Uhr

    Neues Deutschland
    11.1.10

    »Die Überflüssigen« gegen das Ruhr-Spektakel

    Essen (dpa/ND). Vor Beginn der Feierlichkeiten zur Eröffnung der Kulturhauptstadt »Ruhr 2010« demonstrierten Aktivisten der Gruppe »Die Überflüssigen« gegen das Spektakel (Foto: dpa).

    Auf der Internetplattform Indymedia veröffentlichen sie eine Erklärung zur Demonstration. Darin heißt es: »Wir sind die Überflüssigen und feiern heute die Eröffnung der Kulturhauptstadt auf unsere Weise. Wir protestieren hier im 5. Jahr von Hartz IV gegen die unwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse in diesem reichen Land. Den ›Ehrengästen‹ aus Politik und Wirtschaft rufen wir zu: Ihr seid hier überflüssig! (…) Wir wenden uns mit unserer Aktion gegen eine Kulturpolitik, die nur noch kapitalistische Standortpolitik ist. Während die finanzielle Unterstützung für die normale kulturelle Infrastruktur für die Theater und freie Kulturszene überall heruntergefahren wird, zerstört die Festivalisierung im Ruhrgebiet langfristig die erkämpfte kulturelle und soziale Infrastruktur.«

  6. 6 Der Unermüdliche 11. Januar 2010 um 22:55 Uhr

    Unter den folgenden Link

    http://www.kultur-freizeit-nrw.de/fotoalbum/main.php

    gibt es im Album „Eröffnungsfeier RUHR.2010″ u.a. auch noch eine kleine Fotoserie der Aktion in Essen…

  7. 7 Administrator 21. Januar 2010 um 17:11 Uhr

    Die Beatplantation war bei der Eröffnung von Ruhr2010 am 9.1. in Essen zu Gast. Der Hintergrund dazu dürfte bekannt sein. Nachdem die eigentlich geplante Eröffnungsfeier in der Arena auf Schalke aus Geldproblemen nicht stattfinden konnte, haben sich die Organisatoren, bzw. die ausführende Agentur Lopavent, an die freie Szene gewandt. Schließlich arbeitet man dort seit Jahr und Tag mit großen Engagement und vor allem billig. So weit, so bekannt. Die Beatplantation ist eine etablierte Partyreihe, die seit langem an temporären Orten, Kultur- und Jugendzentren ihre Technics aufstellt. „House und Techno quasi als Punkrockofferte.“, nennt der Dozent und DJ Thomas Geier diese Praxis im Flyer „Beatplantation im Kulturgebiet Ruhr“, der auf der Eröffnung verteilt wurde.

    Geier war auch einer der Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion am gleichen Abend. Der Soziologe Wolfgang Breger wies noch einmal auf die starken Antagonismen hin, die das Ruhrgebiet kennzeichnen. Ein großer Teil der Bevölkerung ist arbeitslos und daher von der Teilnahme am Kulturbetrieb ausgeschlossen. Gleichzeitig hat sich aber eine starke, äußerst kommunikative Alltagskultur herausgebildet. Dies zeigt sich an der breiten Solidarität in Arbeitskämpfen, wird aber von der Kulturhauptstadt weitgehend ignoriert. Markus Kalbitzer von der Kulturzentrale Essen wies darauf hin, dass sich neue Kulturformen sich in der Regel abseits von Institutionen und Geschäftsmodellen entwickeln. Gleichzeitig ist all dies von prekären Lebenslagen gekennzeichnet, die sich ausweiten könnten. Joscha Hendrichsen wies auf die Schwierigkeiten hin, für experimentelle Kunst Räume zu erhalten, die den Bedürfnissen der KünstlerInnen entsprechen. Geier, der mehrere Jahre den House-Club Rote Liebe in Essen betrieb, entgegnete, dass man sich Räume auch nehmen könne – am besten mit einer Gruppe Gleichgesinnter. Für 2011 hegte jedoch keiner der Diskussionsteilnehmer große Hoffnung auf einen langanhaltenden Effekt der Institution Kulturhauptstadt und teilten damit die Position der „Überflüssigen“, die am frühen Nachmittag auf dem schwarzen Teppich protestiert hatten.

    Dies waren nicht die einzigen Wortmeldungen . Bei der Buchvorstellung von „Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet“ sprach Jörg-Uwe Nieland die Probleme der Pop-Provinz Ruhrgebiet an, die nicht mit den Nachbarn Köln und Düsseldorf konkurrieren könne. Maren Volkmann betonte, wie schwierig es für sie gewesen sei, ihre Garage-Band Pristine in Essen zu gründen. Nicht nur wegen der üblichen Probleme im jungsdominierten Indierock, sondern auch weil die Identität des Ruhrgebiets von Männerarbeit geprägt gewesen sei und generell wenig Aufmerksamkeit für weiblich geprägte Räume und Geschichte vorhanden ist. Klaus Fiehe las zum Abschluss seinen Text „Boggy“, die Geschichte des KFZ-Mechanikers Bogdan Kopec, der trotz autoritärer Chefs und gleichgültiger Berufsberater durch eine erfolgreiche Karriere als Chef eines Metal-Labels seiner Leidenschaft nachgehen kann: Er malt.

  8. 8 Tomas Andersson 16. Oktober 2010 um 15:29 Uhr

    20. Sehr gute Angebote. So kann ich es einfach und kompliziert zu Hause nachmachen.

  1. 1 Die berflssigen erffnen in Wuppertal die Kulturhauptstadt - Erwerbslosen Forum Deutschland (Forum) Pingback am 17. Januar 2010 um 13:58 Uhr
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