„Habenichtse“ bei der Tafel der „Demokratie“

Bundespräsident Christian Wulff lädt am 20.8.2010 zur „Tafel der Demokratie“.
Die „Überflüssigen & Tagelöhner“ rufen ebenfalls auf, denn aus dem Sozialstaat wird ein Almosenstaat. Immer mehr Tafeln entstehen. Dem stellen sie ihre Forderung nach Regelsatzerhöhung entgehen. Soziale Rechte statt Almosen!
Bundespräsident Christian Wulff lädt am 20.8.2010 zur „Tafel der Demokratie“ mit 3 Gang Menü, konzipiert vom Küchendirektor des Hotel Adlon Kempinski, dass eines der luxuriösesten Hotels in Deutschland ist. Es gibt Eintopf, Eisbein und Sülze…für 1500 geladene Gäste, darunter viele Ehrenamtler. Der Sicherheitsdienst, die Serviceleute und Musiker arbeiten auch ehrenamtlich.

Gewöhnlich assoziiert man mit Tafeln „das Festliche, Vielfältige, Reichhaltige“.
Gewöhnlich.. Leider sieht aber die bittere Realität anders aus. Denn ein Hartz IV-Bezieher muß im Monat von dem leben, was Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, der im Kempinski bestimmt gern gesehener Gast ist, in sechs Minuten verdient.

Heute stellen Tafeln das Gegenteil dar „Abfall, Armut und Hilfsbedürftigkeit“. Von Lebensstil kann keine Rede sein. Es geht darum, satt zu werden. Mit der Klasse der „Überflüssigen“ sind auch die Lebensmitteltafeln entstanden. 1993 wurde die erste in Berlin gegründet. Inzwischen gibt es 800 Tafeln mit mehr als 2000 Ausgabestellen, die von einer Millionen Menschen genutzt werden. Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel und geben diese an Bedürftige ab.

Wir leben in einer Überflußgesellschaft, in der 20% der produzierten Lebensmittel weggeworfen werden. Die Öffentlichkeit soll natürlich nicht erfahren, dass zuviel produziert wird. Einem Überangebot an Nahrungsmitteln steht eine wachsende Armut entgegen.
Bei den „Überflüssigen“ herrscht Lebensmittelmangel. Die Tafelnutzer müssen zudem eine Schamgrenze überwinden, schließlich stehen sie öffentlich auf der Straße. Damit wird ihre Armut sichtbar gemacht. Der tägliche Essensplan richtet sich nach dem Angebot der Tafel, die Reihenfolge richtet sich nach der Resthaltbarkeit. Wer sich nur von der Tafel ernährt, leidet unter einer Mangelernährung. Es gibt Listen, Stempel, Ausweise und Kontrollen. Die Würde der „Kunden“ wird durch Erziehungs- und Disziplinierungsmaßnahmen immer wieder untergraben. Der Tafelkunde ist gläsern, denn seine Wohn- und Haushaltsdaten werden erfaßt. Viele sind nicht bereit, diesen Preis zu zahlen.

Die Tafeln sollen eigentlich grundsätzlich ehrenamtlich sein, aber es sind auch Ein-Euro-Jobber beschäftigt, die vom Jobcenter geschickt werden. Die Mitarbeiter müssen die Lebensmittel nach der Eignung zum Verzehr sortieren. Ca. ein Drittel der Lebensmittel muß weggeworfen werden. Die Spenderinstitutionen geben viel verdorbene Ware mit, um auch die Entsorgungskosten zu sparen. Dafür verlangen sie aber Dankbarkeit und natürlich eine Spendenbescheinigung. Sie lassen sich sogar von Tafeln die Restware aussortieren und sparen so auch noch Personalkosten. Die Mitarbeiter in den Supermärkten wiederum dürfen nichts Überflüssiges mitnehmen, sonst riskieren sie eine Bagatellkündigung.
„Die Tafeln sind ein gesellschaftlicher Mechanismus zur Disziplinierung des Elends.“, so Stefan Selke in seinem Buch „Fast ganz unten“. „Statt an einer Abschaffung der Armut mitzuwirken, beteiligen sich die Tafeln- sicher unintendiert- an einer Segmentierung der Gesellschaft in ‘Oben’ und ‘Unten’.“
Der Bundesvorstandsvorsitzender Gerd Häuser äußerte sogar selbstkritisch: „Es gibt Leute, die sagen, wir verhindern den Aufstand von unten.“
Den Aufstand verhindern, wollen natürlich auch die Veranstalter der „Tafel der Demokratie“ Sie fragen: Was wünschen Sie Bundespräsident Christian Wulff und Deutschland für die Zukunft? Die Zukunftswünsche sollen am 20.8. verlesen werden.
Hier können Zukunftswünsche formuliert werden…
http://tafelderdemokratie.de

Auch die „Überflüssigen & Tagelöhner“ haben da eine Meinung. Sie rufen zur Umsonsttafel der Habenichtse auf: Lasst uns zusammen die Republik der „Besitzstandsbürger/innen“ demokratisieren!

Hartz IV bedeutet Unterversorgung. Politik und Regierung sagen aber immer wieder, wer bei Hartz IV-Bezug von dem einen mehr brauchen, müsse eben bei anderem weniger ausgeben und könnte so mit dem heutigen Regelsatz gut auskommen. Ein Euro kann aber nur einmal ausgegeben werden. Daher müssen die Leistungen deutlich erhöht werden.
Die Erwerbslosenzusammenhänge wollen mit den Herbstaktionen die Aufmerksamkeit auf den Ernährungsbedarf und Mangelernährung ‘Dank’ Hartz IV lenken. Allein für eine vernünftige Ernährung brauchen mindestens Erwachsene 80 EUR mehr im Monat. Die Kundgebung soll dieser Forderung in Inhalt und Form dienen.

Kundgebung am Freitag, 20.08.2010 um 17:00 Uhr
10117 Berlin, Brandenburger Tor, Platz des 18. März, Mitte

Der Kampf um Regelsatzerhöhung geht auch danach weiter. Am Mittwoch, den 8. September 2010 findet um 19 Uhr im Blauen Salon (Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, Berlin-Kreuzberg) die Berliner Mobilisierungsveranstaltung für Oldenburg statt.

Am 10.10.2010 ist in Oldenburg die bundesweite Demonstration der erwerbslosen und prekären Frauen und Männer. Es geht um eine kraftvolle Einmischung bei der Festlegung der Hartz-IV-Regelsätze, um die Verknüpfung gemeinsamer Interessen von Beschäftigten und Erwerbslosen und um die Durchkreuzung von „Gegeneinander-Ausspiel„-Strategien der Herrschenden und ihrer Helfer. Es ist der Versuch eine zerklüftete Bewegung zusammenzubringen in einer konzertierten Aktion. Aufrufende Organisationen sind:
ALSO (Oldenburg), Tacheles (Wuppertal), Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen (KOS), Aktionsbündnis Sozialproteste (ABSP), Erwerbslosen Forum Deutschland und Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Prekäre Lebenslagen.

Weiterführende Informationen gibt es im Internet unter www.krach-statt-kohldampf.de.

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1 Antwort auf „„Habenichtse“ bei der Tafel der „Demokratie““


  1. 1 Administrator 18. August 2010 um 13:29 Uhr

    Darmstadt: GALIDA-Protest gegen Tegut!
    GALIDA 18.08.2010 12:16 Themen: Soziale Kämpfe
    Image
    Die Gewerkschaftliche Arbeitsloseninitiative Darmstadt (GALIDA) hat heute vor dem Tegut-Supermarkt in der Darmstädter Innenstadt gegen die skandalösen Niedriglöhne eines von Tegut zur Regalpflege beauftragten Subunternehmens protestiert.
    Die Zeitarbeitsfirma „Teamwork – Die Büttgen GmbH räumt im Auftrag von Tegut die neue Ware in deren Supermarktregale und erledigt weitere unterstützende Tätigkeiten in den Filialen. Büttgen zahlt dafür 5,20 Euro die Stunde – vereinbart mit einer sog. Christlichen „Gewerkschaft“, die für ausbeuterische Löhne bekannt sind.

    Mehr hierzu und Hintergrund in unserem Blog unter:

    http://galida.wordpress.com/2010/08/13/am-18-08-10-galida-aktion-gegen-ausbeutung-bei-tegut/

    Unerwartet große Medienresonanz erwartete uns vor der Tegut-Filiale: Neben dem Darmstädter Echo und dem Hessischen Rundfunk war auch ein Kamerateam von RTL anwesend. Viele Passanten waren sehr interessiert an den Schilderungen der Arbeitsbedingungen bei Büttgen – eine ehemalige Beschäftigte berichtete darüber.

    GALIDA – Kundgebung vor Tegut Darmstadt
    Tegut selbst hatte das gesamte Regionalmanagment aufgeboten, weigerte sich aber gegenüber der GALIDA und Presse ein offizielles Statement abzugeben. Dennoch kam es zu spannenden Gesprächen mit den Managern, in deren Verlauf sie immer wieder argumentierten das Büttgen ja einen offiziellen Tarifvertrag mit der Christlichen Gewerkschaft unterhalte. Auf die Frage, warum das Unternehmen, welches in seiner Öffentlichkeitsarbeit immer auf die sozialen und ökologischen Unternehmensziele hinweist, die Zahlung solch skandalöser Niedriglöhne dulde, wurden die Manager deutlich einsilbig. Dies müsse die Konzernzentrale in Fulda (Hessen) entscheiden.

    Wir bleiben dabei: 8,50 Euro Mindestlohn für jede Tätigkeit in Deutschland!
    SPAMVERMEIDUNG.kontaktgalida@web.de http://galida.wordpress.com

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