Nazimusikversand

Demonstration am 7. März gegen den JN-Funktionär und Nazi-Musik-Vertreiber Dieter Koch, Sprockhövel

Wir rufen für den 7. März 1998 auf, massenhaft nach Sprockhövel zu kommen, um dem einschlägig bekannten Neonazi Dieter Koch die Ruhe für seine Geschäfte zu nehmen. Kochs Geschäft ist der immer größer werdende Markt für rechtsradikale und rassistische Musik. U.a. mit dem Wuppertaler Dieter Schirmer betreibt er in einem Nebenge- bäude einer Disko in Sprockhövel einen Musikversand. Dieter Koch vertreibt das gesamte Nazimusikprogramm und vertickt »T-Hemden« mit rechtsradikalen Sprüchen. Seine Anzeigen läßt er u.a. in der NS-Postille ‚Hamburger Sturm‘ abdrucken. Außerdem produziert er eigene CDs mit lokalen Nazi-Bands, so auch das Soloprojekt von Steve Bramekamp, der vor Hakenkreuzfahnen in einem dänischen Video- magazin posierte.

Dieter Koch war lange Jahre im Landes- und Bundesvorstand der JN, leitete den JN- Buchdienst und war Herausgeber der JN-Publikation »Einheit und Kampf«. Dieter Koch ist einer der alten JN Funktionäre aus Wuppertal, die auch in schlechten Zeiten den Jungen Nationaldemokraten die Treue gehalten haben. Aus dieser Zeit stammen auch die vorzüglichen Kontakte in alle Spektren der Naziszene und diese Kontakte machen sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt. Der Rechtsruck in dieser Gesellschaft, hat leider auch einen großen Markt für rassistische Faschomusik geschaffen. Um das Geld der Nazis und rechten Jugendlichen buhlen inzwischen zahllose Firmen, die sich gegenseitig aus dem Feld schlagen wollen. Obwohl die Konkurrenz unter den Nazimusikverlagen groß ist, scheinen alle Verlage gute Gewinne zu machen. Allein in NRW konkurrieren Rockorama aus Brühl, Lemmer in Langenfeld, der Donnerversand in Lüdenscheid und Dieter Koch um die Gunst der Faschisten. Intrigen, gegenseitige Beschuldigungen und Hetzkampagnen unter den Nazimusik-Dealern zeigen, daß es sich lohnt, mit Nazimusik zu handeln. Deswegen haben sich fast alle Naziorganisationen einen florierenden Versandhandel mit dieser Art von »Volksmusik« aufgebaut.
Wir bekämpfen die Nazimusik nicht nur, weil sie die Ausdrucksform der Nazisubkultur und der organisierten Neonazis ist. Auch die Inhalte der Musik, die Texte, die Cover, die Interviews und die Liveauftritte sind ekelhaft, frauenverachtend, antisemitisch und rassistisch. Sie sind durch und durch menschenverachtend. Deswegen kämpfen wir gegen die Nazimusiker, ihre Plattenlabels und Produzenten und gegen die Firmen, die die Nazimusik gewinnbringend vermarkten. Wir wollen mit den antifaschistischen Jugendlichen und allen anderen antifaschistisch orientierten Menschen aus der Region zusammen verhindern, daß sich um Wuppertal herum ein brauner Gürtel ausbreitet.
Quelle: Antifaschistische Nachrichten, 04-98

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1 Antwort auf „Nazimusikversand“


  1. 1 Anonymous 27. September 2010 um 0:05 Uhr

    Pressemitteilung zum 1. Kemnaprozeß

    Der Überfall auf die Gedenkfeier in der Kemna wurde trotz erheblicher
    Polizeipräsenz nicht verhindert. Die Polizei war wohl nur zur Observation
    der linken DemonstrantInnen erschienen, an eine wirkliche Absicherung der
    Veranstaltung war wohl nicht gedacht. Auch sonst tritt uns die Polizei in
    Wuppertal als Schutztruppe für Nazis entgegen. AntifaschistInnen, sie sich
    den Nazis entgegenstellen, laufen Gefahr, von der Poilizei
    zusammengeschlagen und ausßerdem mit schwersten Vorwürfen kriminalisiert
    zu werden. So wurde der Antifaschist Martin S. aufgrund seiner Beteiligung
    an Aktivitäten gegen einen NPD-Aufmarsch 1998 in Bonn mit hanebüchenen
    Vorwürfen und Konstrukten seitens der Polizei, die eben diesen
    Naziaufmarsch geschützt hat, vor dem Oberlandesgericht Bonn zu einer
    Freiheitsstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt auf eine dreijährige
    Bewährungsfrist, wobei zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

    Der Wuppertaler Staatsschutz steht nicht im Verdacht, allzuviele
    Kenntnisse über die Naziszene in Wuppertal zu haben was beispielsweise im
    Prozeß gegen die Nazirockgruppe Kraftschlag mehr als deutlich wurde. So
    waren wir erstmals gezwungen, in einen Prozeß mit eigenen Kenntnissen und
    Beweismaterial einzugreifen, weil der Wuppertaler Staatsschutz in den
    Vorermittlungen ohne jede Sachkenntnis und politischen Willen die Anklagen
    vorbereitet hat. Gravierend ist für uns ausßerdem die offene
    Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit Nazistrukturen in der
    Vergangenheit. Das Pedant zur geheimdienstlichen Unterstützung der
    Nazi-Szene durch den Verfassungsschutz in vielen Bundesländern war in
    Wuppertal die Installierung der Nazikampfsportschule Hak-Pao durch den
    Wuppertaler Staatsschutz. Die Mörder aus Solingen kamen aus eben diesem
    staatlich geschaffenen Nazi-Ruheraum.
    Es ist klar, dass wir für diese Art von Staatssicherheit nicht als Zeugen
    zur Verfügung stehen.

    Im Gegensatz zu den Behauptungen des Wuppertaler Verfassungsschutzes, es
    gäbe keine organisierte Naziszene im Bergischen Land, versuchen wir seit
    Jahren Widerstand gegen die bestehenden Nazistrukturen zu organisieren und
    auf das Problem öffentlich hinzuweisen. Das dürfte eigentlich auch den
    Herren des Wuppertaler Verfassungsschutzes nicht entgangen sein, die uns
    AntifaschistInnen in schöner Regelmäßigkeit begleiten, abfilmen und
    kriminalisieren.

    Zur Erinnerung:
    Ganz offenlichtlich war der Überfall auf uns und auf die alten
    WiderstandskämferInnen eine organisierte Aktion der Wuppertaler und
    Schwelmer NPD-Struktueren. Seit ungefähr zwei Jahre führen wir Kampagnen
    gegen Thorsten Crämer und Dieter Koch, die beiden Hauptfiguren dieser
    Nazistrukturen. Vor zwei Jahren waren es die Kampagnen gegen den
    Nazimusikversand von NPD-Kader Dieter Koch in Sprockhövel und gegen den
    sog. Ohrwurmversand von Marcel Inignioli in Haßlinghausen. Begleitend zum
    Prozeß gegen die Nazirockgruppe Kraftschlag vor dem Wuppertaler
    Landgericht haben wir Nazirock als zentralen Einstieg in die Naziszene
    thematisiert, eine Kampagne gegen die Naziband Notwehr aus Velbert führte
    u.a. zur Auflösung der Gruppe.

    Im Mai diesen Jahres wiesen wir mit einer Veranstaltung und einer
    Demonstration in Schwelm auf die überregionale Bedeutung von Crämer hin,
    der nicht nur im Landesvorstand der NPD sitzt und bundesweit die
    Naziaufmärsche mitorganisiert. Crämer ist auch einer der Drahtzieher des
    „Deutschen Kulturwerkes“, das regelmäßig für Nazis jeder Coleur
    Bildungsveranstaltungen anbietet, so zuletzt in Lethmate mit dem
    Nazi-Terroristen Roeder.

    Auch wenn sich aktive Neonazis stark aus den Reihen der Jüngeren
    rekrutieren, entpolitisiert eine Darstellung als Jugendproblem deren
    Taten, blendet aus, dass nicht etwas soziale Probleme und fehlende
    Freizeitangebote, sondern eine menschenverachtende Ideologie hinter den
    Taten stehen. JedeR trägt Verantwortung fuer sein/ihr Verhalten und wird
    nicht zwangsläufig zum Täter. Aus Arbeits- und Perspektivlosigkeit
    resultiert keinesweges zwangsläufig Anfälligkeit für autoritäre,
    chauvinistische und rassistische Weltbilder. Solche Ideologien sind weder
    ein Jugend- noch ein Unterschichtproblem. Sog. Akzeptierende Jugendarbeit,
    wie überwiegend in ostdeutschen Städten praktiziert, wo
    SozialarbeiterInnen rechten Jugendlichen ein unkritisches Forum bieten,
    stärkt damit einen wichtigen Teil der Naziinfrastruktur. So wird in
    Velbert eine ehemalige Kneipe, die schon zuvor als Anlaufpunkt
    (Siepensturm) bekannt war, von einer städtischen Honorarkraft fuer diese
    geöffnet.

    Der aktuelle Diskurs über Rechtsextremismus blendet aus, dass Rassismus,
    Antisemitismus und Nationalismus aus der Mitte der Gesellschaft kommen.
    Kampfansagen an die extreme Rechte entpuppen sich als Lippenbekenntnisse
    angesichts von rassistischen Kampagenen wie denen der CDU/CSU gegen die
    „Doppelte Staatsbürgerschaft“ und die Diskussion um die „Green Card“,
    angesichts der Hetztiraden eines Hackländers gegen Obdachlose
    (Straßensatzung), abgesichts der antisemistischen Muster in der Debatte um
    Entschädigungn für ZwngsarbeiterInnen, wobei ´die Deutschen´ als Opfer der
    Verschwörung von ´New Yorker Prese´ und ´Haifischen im Anwaltsgewand´
    (Rudolf Augstein) halluziniert werden. Forderungen der extremen Rechten
    wie ´Arbeit (zuerst) für Deutsche´ werden von Teilen der Bevölkerung
    geteilt bzw. von der herrschenden Politik ausgeführt. Neonazis können sich
    auf dem rechten Nährboden als VollstreckerInnen sowohl eines
    halluzinierten ´Volkeswillens´ als auch der Regierungspolitik fühlen. Die
    Unterscheidung von Menschen in Deutsche und Nicht-Deutsche ist
    gesellschaftlicher Konsenz uns staatliche Praxis, mit der Konsequenz, dass
    die einen in Deutschland erwünscht sind und die anderen tagtäglich in
    Folter und Tod abgeschoeben werden. Schikanen für Flüchtlinge sind die
    Regel, angefangen bei der Menschenjagd auf sog. ´Illegale´ von BGS und
    Denunzianten an der deutschen Ostgrenze, weiter bei zentraler
    Unterbringung, Residenzpficht, Arbeitsverbot und als Endstation die
    Anschiebehaft und Abschiebung, die ungezählten Menschen mit ihrem Leben
    bezahlt haben. Das alles ist demokratisch legitimiert und deutsche
    Normalität, antirassisitische Absichtserklärungen sind nur dann die Folge,
    wenn die Morde der Nazis dem Ansehen Deutschlands schaden könnten, wenn
    Image und das Exportgeschäft auf dem Spiel stehen.

    Anders als bspw. Bayerns Innenminister Beckstein, dessen Forderungen nach
    einem NPD-Verbot wohl der Straußschen Maxime ´rechts von uns ist nur die
    Wand´ geschuldet ist, halten wir den Ruf nach einem starken Staat fuer
    falsch im Kampf gegen die extreme Rechte. Ein NPD-Verbot würde lediglich
    bewirken, dass sich deren Mitglieder einen andere Organisation suchen
    müßten und wieder Normalität und der Glaube, das Problem sei gelöst,
    eintreten würde. Law-and-order-Maßnahmen wie Videoüberwachung, Razzien und
    härtere Gesetze würden natürlich nicht nur gegen Nazis, sondern mitunter
    auch nach der Gleichung ´Links = Rechts´ bzw. ´1 + 1 = 3´ gegen Linke
    angewendet. Ein autoritärer, ´starker´ Staat´ ist genau das, wofür auch
    die extreme Rechte eintritt, und ändert weder etwas am gesellschaftlichen
    Rassismus, noch an dem in den Köpfen der Nazis. Sinnvoller als halbherzige
    Maßnahmen ´von oben´ wäre im Kampf gegen NPD und Konsorten eine
    gesellschaftliche antirassistische Bewegung.

    Spenden zur Unterstützung des Angeklagten werden dringend benötigt:
    Konto Rechtshilfegruppe Wuppertal, Konto-Nr.: 922492, BLZ 33050000,
    Stichwort: Prozess Bonn

    Kotakt: Rechtshilfegruppe Wuppertal, c/o
    Infoladen, Brunnenstr. 41

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