Archiv für Februar 2011

Auschwitzleugner Günther Kissel ist tot

von indymedia
Wie die „Rheinische Post“ berichtet, ist der Solinger Auschwitzleugner Günther Kissel im Alter von 94 Jahren verstorben. Das pro-NRW-Mitglied machte aus seiner Gesinnung nie einen Hehl, traf sich regelmäßig mit Neonazis wie Horst Mahler und unterhielt enge Kontakte zu verschiedenen rechtsextremen Vereinigungen. Derweil war die Baufirma von Kissel für den Bau der Moschee in Duisburg-Marxloh verantwortlich, welche heute von „pro NRW“ bekämpft wird.
Über Tote soll man nicht schlecht reden. Im Leben von Günther Kissel ist es allerdings sehr schwer, überhaupt etwas Gutes zu finden, über das man reden könnte. Vielleicht das: Er hat viel gespendet. Vor allem für Senioreneinrichtungen. Das war es dann aber auch schon. 1914 in Solingen geboren, erlebte er das Nazi-Regime und den Zweiten Weltkrieg hautnah und kämpfte mit 21 Jahren als Soldat. Offenbar prägten ihn die Erlebnisse in dieser Zeit so sehr, dass er sie sein ganzes Leben lang mit sich trug. Zumindest galt Kissel bereits seit langem als Revisionist, einige verorten ihn gar in der rechtsextremen Szene. Und das nicht ohne Grund – 1997 entschied das Landgericht Wuppertal, dass Kissel als „Auschwitzleugner“ und „Volksverhetzer“ bezeichnet werden darf.

Bereits in den 70er Jahren lud Kissel den Holocaustleugner David Irving zu einem Vortrag auf seinen Bauhof ein. In den 80er Jahren machte der Bauunternehmer Schlagzeilen, als er sich für den früheren SS-Sonderführer Thies Christophersen einsetzte, welcher zu dieser Zeit die Broschüre „Die Auschwitz-Lüge“ verfasst hatte. Kissel lobte ihn als einen „honorigen und außerordentlich charaktervollen Menschen“. Im November 2005 setzte sich Günther Kissel mit einem Schreiben an das Landgericht Mannheim für den notorischen Holocaustleugner Ernst Zündel ein. Darin schrieb Kissel, der Holocaust bedürfe eines eindeutigen Beweises. „Solange dieser aussteht, gilt die Unschuld des Angeklagten“, so der Solinger Baulöwe.

Im Sommer 2003 trafen sich die Neonazis und Holocaustleugner Horst Mahler, Udo Walendy und Ursula Haverbeck-Wetzel im Hause Kissel zu einem Kaffeeklatsch, wo unter anderem beraten wurde, wie der von Mahler unterstützte „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ finanziell besser ausgestattet werden könnte. In den letzten Jahren unterhielt Kissel zudem auch beste Kontakte zur von Haverbeck-Wetzel geführten rechtsextremen Vereinigung „Collegium Humanum“ sowie zum „Verein Gedächtnisstätte“, welcher im sächsischen Borna eine „Gedenkstätte für die Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und Gefangenenlager“ errichten möchte. Nach Meinung des Vereins waren diese Opfer nur Deutsche. Für sie sollen zwölf „Gedenksteine“ aufgestellt werden, die die ehemaligen deutschen „Gaue“ in Ostdeutschland repräsentieren.

In der ehrenwerten Solinger Gesellschaft regte sich kaum Widerstand gegen den rechtsextremen Drahtzieher Günther Kissel. Im Gegenteil: Bereits zu dem Vortrag in den 70ern mit Irving konnte Kissel zahlreiche einflussreiche Gäste aus der Solinger Politik und Wirtschaft begrüßen. Dies wiederholte sich 2007, als Kissel seinen 90. Geburtstag feierte. In einem Redetext zu diesem Anlass, den er der Einladung zur Geburtstagsfeier beigelegt hatte, schwadronierte der Baulöwe in altbekannten antisemitischen Phrasen: „Durch diese Entscheidung Adolf Hitlers wurde jedoch die Macht der amerikanischen Ostküste in Frage gestellt, bzw. gebrochen“. Zu der Geburtstagsfeier erschienen nicht nur einschlägig bekannte Neonazis und Holocaustleugner, sondern auch namhafte Vertreter der Solinger Lokalpolitik, darunter auch der ehemalige CDU-Oberbürgermeister Franz Haug.

Die „Bürgerbewegung pro NRW“, bei der Günther Kissel seit 2007 Mitglied war, scherte sich nicht groß um die Ansichten Kissels und seine Verstrickungen mit der rechtsextremen Szene. Sie kehrte sie einfach unter den Teppich. Angesichts der finanziellen Unterstützung durch den Bauunternehmer hatte die Partei auch gar keine andere Wahl, als ihn als Mitglied aufzunehmen. Die Führungsebene machte allerdings nie viel Aufhebens darum und begnügte sich mit der Verkündung, dass Kissel als „Unterstützer der patriotischen Bewegung in ganz Deutschland“ künftig die „Aktivitäten von pro NRW nach besten Kräften fördern“ wolle. Zu Unmut innerhalb der „Bürgerbewegung“ kam es allerdings, als bekannt wurde, dass die Moschee in Duisburg-Marxloh von Kissels Baufirma errichtet wurde. Kissel blieb bis zu seinem Tod Mitglied bei „pro NRW“.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: