Archiv für April 2011

Ein Denkmal der Namen für Wuppertal

Gedenktafel-Enthüllung und Präsentation des interaktiven und
digitalen Gedenkbuchs für die NS-Opfer aus Wuppertal
Einladung zur Mitarbeit

Während das Schicksal der Wuppertaler Juden, der ermordeten Angehörigen der Arbeiterbewegung und des kirchlichen Widerstands weitgehend erforscht ist, gibt es über die (vergessenen) Opfergruppen wie z.B. die Roma und Sinti, die Zeugen Jehovas, die als „Asoziale“, „Arbeitsscheue“ oder „Berufsverbrecher“ ins KZ verschleppte Gefangene, die „Euthanasie“-Opfer, Homosexuelle, Deserteure und ZwangsarbeiterInnen kaum verlässliche und öffentlich zugängliche Informationen.Das wollen wir mit dem Gedenkbuch ändern.

Unsere Einladung richtet sich zum einen an die Familienangehörigen der Wuppertaler NS-Opfer. Helfen Sie uns, den Lebensgeschichten ihrer Angehörigen eine würdige Form zugeben. Gleichzeitig bitten wir die verschiedenen engagierten Einzelpersonen, Vereine, Kirchen und Verbände, LehrerInnen und DozentInnen, StudentInnen und SchülerInnen um Mithilfe bei der Recherche und bei der Formulierung der einzelnen Biographien. Glücklicherweise haben seit vielen Jahren engagierte Bürger und Verbände den Kontakt zu den Wuppertaler NS-Opfern und ihren Familien in aller Welt gehalten. Es sind dabei über die Jahre vielfältige historische Materialien, Briefwechsel, Fotos und Filme entstanden.

Wir möchten dazu einladen, Ihr Wissen, Ihre Recherchen, Ihre Fotos und Erinnerungen an die
Wuppertaler NS-Opfer mit uns und der Öffentlichkeit zu teilen. Das Gedenkbuch wird interaktiv sein und wartet auf Ihre Biographien,auf Dokumente, Briefe und Fotos.

Bei Facebook http://www.facebook.com/profile.php?id=100002292614867&sk=wall

25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal

25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal

14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz

Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen!
Für die soziale Revolution!

Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen
1.Mai in Wuppertal

1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo
in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der
DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt
zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen
Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um unsere Ablehnung gegenüber
dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1.
Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden
seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für
Wuppertal. Im März griffen die USA Lybien an und die Straßen waren
voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai
war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa
mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die
Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und
gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt,
es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des
Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke
Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen
Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf
entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der
Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante
Wiederaufbereitungsanlage verhinderte. Für die Demo in Brokdorf zogen
Zehntausende sehr entschlossene und z.T. gut bewaffnete in die militante
Auseinandersetzung, die aber in Kleve kurz vor Brokdorf mit einer
schweren Niederlage der militanten Anti-AKW-Bewegung endete.

2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan
und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele
unbeteiligte Zivilist*innen in Lybien, sind wie ein Déjà-vu von 1986.

Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre
nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist
fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind wieder Massen unterwegs.
Aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen
sie von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal
einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und
Co. wirklich kampflos auf die 750.000 € pro Tag Gewinn verzichten werden
und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die
Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.

Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr
handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen,
antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!

Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade
ihre Atomfabrik in Gronau. Wann werden die Nutznießer des Atomprogramms,
die Aktionäre von RWE, E.ON, Vattenfall und Co., mit unseren Argumenten
konfrontiert? Eine gute Gelegenheit ist die RWE –Aktionärsversammlung am
20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW
mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Belagerung der Halle.

Brot und Würde…

Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen
und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen
in Lybien drohen die emanzipatorischen Kräfte wieder ins Hintertreffen
zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in
Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.

Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu
kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den
Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!

Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der
Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der
Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste
Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.

Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie
direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen
Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren
begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den
Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie
schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das
wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für
alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.

Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für
offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!

So jung werden wir uns nie wieder sehen…

Es ist natürlich klar, das wir 2011 zu der Demo unsere alten
Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein
„Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!

Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am
29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr
wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse,
euer Witz und eure Solidarität waren großartig.

Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Demo und zum Straßenfest die
nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos,
Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T.
getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und
Nazis gekämpft haben.

25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen,
weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver
Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll
gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den
Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)

Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne
Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!

Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber
Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und
Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische
Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.

Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom
Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und
militärischen Interventionen ab. Vergessen wir niemals, welche
Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der
Judenvernichtung zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder
Krieg.

Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine
abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität
auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeutern und
Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die
deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein
Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und
Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und
Herrschaftsverhältnisse. Z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken,
Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen,
widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. sind natürlich „verkürzte
Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen
vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine
lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein
schönes Leben.

Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in
Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als
Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in
radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im
Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigen, wenn wir wirklich
anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen.
Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4.
Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und
alltäglich, und sichtbarer und wirkungsvoller als manches
Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…

Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der
herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionäre blockieren!

Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal

Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!

Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg,
Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und
Maribor.




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