Freies Schweben am 30.6.2012 in Wuppertal

Die Initiative «Roter Punkt in Wuppertal» will am Samstag dem 30.06. vielen WuppertalerInnen ein freies Schweben von und nach Elberfeld ermöglichen: Zwischen 11:30 und 14:00 Uhr sollen Menschen ohne Fahrschein von anderen, die mitnahmeberechtigte Verbund-Tickets haben, kostenfrei mitgenommen werden. Die Initiative des Erwerbslosen- und Sozialhilfevereins «Tacheles» und des Wuppertaler Aktionsbündnisses «basta!» möchte mit dieser Aktion für das «Mitnehmen» und für kostenfreie Mobilität werben und gleichzeitig gegen die geforderte Bußgelderhöhung für «Schwarzfahren» protestieren.

Für viele Menschen ist der letzte Samstag eines Monats eine knifflige Aufgabe: Nicht nur, weil das Geld für einen Wochenendeinkauf nicht mehr reicht – für viele ist es auch schwierig, überhaupt in die Nähe entsprechender Geschäfte zu gelangen. Die im Regelsatz von Hartz IV vorgesehenen zweieinhalb Fahrten in der Preisstufe A – zum Beispiel von Barmen oder Vohwinkel nach Elberfeld – sind zu diesem Zeitpunkt längst aufgebraucht. Wer trotzdem noch einkaufen oder am sozialen Leben in einem anderen Wuppertaler Stadtteil teilhaben möchte, muss also zu Fuß gehen.
Die beiden großen Parteien im Wuppertaler Stadtrat – CDU und SPD – finden die soziale Isolation vieler WuppertalerInnen offenbar völlig in Ordnung: Letztes Jahr lehnten sie sogar die vom Land NRW finanzierten VRR-«Sozialtickets» für Wuppertal ab!

«Schwarzfahren» soll noch teurer werden

Wer sich mit kilometerlangen, taschenbepackten Fußmärschen bei jedem Wetter nicht abfinden will, hat oft nur eine Alternative: Schwarzfahren! Die Reaktion auf den Anstieg solcher «in Notwehr erschlichenen Beförderungen» durch die öffentlichen Verkehrsverbünde ist so schlicht wie erbarmungslos: Ein Bußgeld von derzeit (noch) 40 Euro wird fällig. Das kann der oder die Betroffene natürlich noch weniger aufbringen als den Fahrpreis, und in der Konsequenz landen immer mehr Menschen wegen Schwarzfahrens im Knast. So saßen im Jahr 2011 In Berlin ein Drittel aller Häftlinge, die Ersatzfreiheitsstrafen antreten mussten, wegen „Schwarzfahren“ hinter Gittern!

Laut einer Meldung aus der letzten Woche hat der «Verband Deutscher Verkehrsunternehmen» (VDV) nun den Beschluss gefasst, das Bußgeld für Schwarzfahren zu verdreifachen. Es soll auf 60 und im Wiederholungsfall sogar auf 120 Euro ansteigen. Der Verband fordert in der Konsequenz damit auch mehr Haftstrafen für jene, die sich die Fahrpreise nicht leisten können: Ein Bußgeld von 120 Euro macht es vielen Menschen endgültig unmöglich, das «erhöhte Beförderungsentgeld» zu bezahlen.

Die Initiative Roter Punkt fordert Bundestag und Bundesrat – die der Bußgelderhöhung zustimmen müssen – auf, den Beschluss des VDV nicht umzusetzen. Den «Verband Deutscher Verkehrsunternehmen» fordern wir auf, die weitere Kriminalisierung zu stoppen. Er soll sich stattdessen bei der Politik dafür einzusetzen, genügend Zuschüsse zu erhalten, um allen Anteilseignern – also allen! – kostenlose oder zumindest bezahlbare Mobilität zu ermöglichen. Mobilität ist schließlich der Zweck öffentlicher Verkehrsunternehmen.

Die Initiative Roter Punkt lädt ein zur ersten «OP Freifahrt»

Mit der für Samstag, den 30.06. zwischen 11:30 Uhr und 14:00 Uhr geplanten ersten «OPERATION FREIFAHRT» möchte die Initiative «Roter Punkt» in Wuppertal in die Bresche springen. Indem möglichst vielen Menschen am letzten Samstag im Monat die kostenlose Fahrt mit der Schwebebahn von und nach Elberfeld ermöglicht wird, soll der Forderung nach einem bezahlbaren Sozialticket im Tal Nachdruck verliehen werden. Hierzu möchten die Initiatoren und Initiatorinnen des «Roter Punkts» die Mitnahmemöglichkeiten der VRR-Abo-Tickets nutzen. Die Sozialticket-Initiative ruft für die „OP Freifahrt“ alle InhaberInnen von Ticket 1000, Ticket 2000, von VRR-Bären- oder Semestertickets dazu auf, sich am Samstag dem 30.06. um 11:00 Uhr an der Schwebebahnstation Döppersberg zu treffen.

Wir wollen dann gegen 11.30 Uhr gemeinsam mit einer Schwebebahn nach Barmen und von dort wieder zurück nach Vohwinkel zu fahren. Diese Pendelei soll bis etwa 14:00 Uhr fortgesetzt werden. Je nach Anzahl der zur Verfügung stehenden Abo-Tickets können fahrscheinlose Menschen in die Bahn zusteigen und mitfahren. Je mehr Ticket-Abonennten und -Abonenntinnen Spaß an einigen gemeinsamen Erlebnisrunden mit der Schwebebahn haben, desto mehr Menschen können kostenlos mitfahren. Für alle an einer kostenlosen Mitfahrt Interessierte werden wir die „Freifahrt-Schwebebahn“ kenntlich machen und zudem an den wichtigsten Schwebebahn-Haltestellen (Döppersberg, Alter-Markt, Oberbarmen, Vohwinkel) Rote-Punkt-Lotsen postieren.

Über den Verlauf der Aktion und über voraussichtliche Abfahrtszeiten der «Freifahrt-Schwebebahn» wird die Initiative auch via «Twitter» und «Facebook» unter dem Hashtag «#OP_Freifahrt» am Samstag den 30.06. informieren.

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