Italien

Über Kämpfe und Ängste

Martin Birkner

Soziale Bewegungen in Süditalien

Obwohl nach Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen im Irak auch italienische Truppen zum Einsatz kamen, flaute die millionenstarke Antikriegsbewegung in Italien ziemlich rasch ab. Dies ist kaum verwunderlich, sind doch die alten und zunehmend auch neuen AktivistInnen der Bewegung meist noch in mehreren anderen Zusammenhängen aktiv. Diese Zusammenhänge sind oft lokaler Natur, verankert in Regionen, Städten oder auch Stadtteilen, nicht zuletzt durch die offensive Politik des Wahnsinns der italienischen Regierung finden sich aber immer wieder Anknüpfpunkte, die als Verbindungsstellen zu anderen geographischen, aber auch inhaltlichen Regionen abgeben. So greifen internationale, italienweite und lokale Bewegungen ineinander, ohne sich gegenseitig einzuschränken. Nach einem kurzen Überblick über die aktuelle Situation der sozialen Bewegungen in Italien soll diese „koordinierte Vielfältigkeit“ hier anhand des Beispiels der Region Neapel gezeigt werden.

Die Bewegung gegen den Irakkrieg erreichte neben Britannien in Italien ihre größten Ausmaße: Höhepunkt war die landesweite Demonstration am 15. Februar mit mehr als 2,5 Millionen TeilnehmerInnen. Dementsprechend auch die Breite der Bewegung, was natürlich nicht nur Vorteile mit sich brachte, sondern leider auch jede Menge antiamerikanisch durchsetzte „böser-Krieg-dort/guter-Frieden-da-Moralkurzschlüsse“. Aber selbst dort, wo eine differenziertere Analyse aktueller kriegerisch-kapitalistischer Zustände angestrebt wurde (wie z.B. in der Rifondazione Comunista, deren Vorsitzender Bertinotti von den „siamesischen Zwillingen Krieg und Terrorismus“ sprach), verfielen viele Linke der politischen Kurzsichtigkeit: Sie freuten sich über das „Nein“ Deutschlands und Frankreichs, proklamierten wieder einmal „die Menschenrechte“ (als hätte sich ein gewisser Karl Marx nie dazu geäußert) und sahen in den Friedensengeln der UNO eine begrüßenswerte Alternative zu den US-britischen Invasionsstreitkräften. Auch in der RC-Zeitung „Liberazione“ wurden recht leichtfertig den „bösen“ Zwillingen „Krieg und Terror“ die bürgerlich-aufklärerischen „Pazifismus und Vereinte Nationen“ entgegengesetzt. Kämpferische Aktionen bei der Großdemonstration vom 12. März hingegen – einige Bankomaten und Scheiben von italienischen Banken, die in Kriegsgeschäfte verwickelt sind, wurden zerstört oder mit Farbe attackiert – wurden von gemäßigten Friedensbewegten scharf verurteilt – so etwas Unfriedliches gehört sich nämlich nicht auf einer Friedensdemo. Dabei rufen gerade derartige Aktionen die zeitlose Gültigkeit des Liebknechtschen Mottos „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ wieder in Erinnerung. Sie setzen, zumindest auf symbolischer Ebene, einen Kontrapunkt zu ansonsten in der Friedensbewegung leider deutlich spürbaren kulturell-antiamerikanischen Tendenzen und der dazupassenden Hoffnungen in eine „starke“ (und natürlich friedliebende) EU.

Nach dem Nachlassen der Antikriegsbewegung steht in Italien – neben den Regionalwahlen – vor allem die Kampagne rund um das Referendum zum Artikel 18 im Zentrum der sozialen Auseinandersetzungen. Artikel 18 des italienischen Arbeitsstatutes betrifft den Kündigungsschutz, der ungerechtfertigt gekündigten ArbeitnehmerInnen die Wiedereinstellung garantieren soll. Die Berlusconi-Regierung möchte den Artikel am liebsten ganz abschaffen, während ihn die InitiatorInnen und BefürworterInnen des Referendums auch auf die rasant wachsenden Sektoren der prekären Beschäftigungsverhältnisse und auf Kleinunternehmen (ab 5 Beschäftigten) ausgedehnt wissen möchten (Im Moment kann der Artikel 18 nur in Betrieben mit mindestens 15 Beschäftigten angewandt werden). Um das Referendum – abgestimmt wird am 15. Juni – tobt in ganz Italien eine heftige Kontroverse, die vor allem die Reihen der Linksdemokraten (DS) spaltet.

Diese Konzentration auf ein Referendum lässt aus „österreichischer“ Sicht nichts Gutes vermuten, sind doch hierzulande gerade die Instrumente der „direkten Demokratie“ selten mehr als Ablenkungen, bestenfalls Ersatzhandlungen für fehlende soziale Kämpfe (siehe Sozialstaatsvolksbegehren). Anders in Italien: hier ging der aktuellen Mobilisierung eine mehr als ein Jahr dauernde und in einem Generalstreik Oktober 2002 gipfelnde Auseinandersetzung um die Verteidigung der Rechte der arbeitenden Menschen voraus. Darüber hinaus antworteten die InitiatorInnen des Referendums (in erster Linie Rifondazione Comunista, die Grünen, Basisgewerkschaften und der linke Flügel der Sozialdemokratie) gar mit einer Offensivforderung auf die Pläne Berlusconis. Dem Ausgang des Referendums wird mit enormem Interesse entgegengesehen, kann doch ein mehrheitliches „SI“ kaum anders als eine Absage an die radikal-neoliberale Politik der Berlusconi-Regierung gewertet werden. Dabei gibt es auch auf der Linken durchaus Befürchtungen, dass eine zu starke Konzentration auf die rechtlichen Belange der Mobilisierungskraft der neu erstarkten sozialen Bewegungen in Italien nicht förderlich sei. Einigkeit herrscht jedenfalls darüber, dass eine Niederlage am 15. Juni auch eine Niederlage für die „Bewegung der Bewegungen“ bedeuten würde. Seit aber Anfang Mai auch der größte italienische Gewerkschaftsverband CGIL auf einen Ja-Kurs eingeschwenkt ist – was im übrigen die Flügelkämpfe innerhalb der Linksdemokraten der PDS nicht gerade beruhigt hat – wird jedenfalls allerorts Zuversicht versprüht und natürlich demonstriert, Propagandamaterial verteilt, plakatiert…

Derweilen beschließt das Kuratorium des staatlichen Fernsehens einen de facto-Berichtsboykott über das Referendum: „weder dafür noch dagegen“, so die Entscheidung, über die wichtigste innenpolitische Auseinandersetzung des Frühjahrs im staatlichen Fernsehen nicht zu berichten. Da kann sogar die hiesige Regierung noch etwas Lernen in Sachen autoritäter Staatsführung.

Neapel: Das Leben (in) der Stadt

In den sozialen Auseinandersetzungen im Süden rückte in letzter Zeit interessanterweise die Diskussion um ein garantiertes Grundeinkommen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Angesichts horrender Arbeitslosenraten (in Neapel offiziell 27%, die Jugendarbeitslosigkeit ist mehr als doppelt so hoch!) erscheint die alleinige „klassische“ Forderung nach Vollbeschäftigung ohnedies illusionär, vor allem wenn mensch die schwache Industrialisierung des italienischen Südens und die erdrückende Konkurrenz Norditaliens in den postfordistischen, immateriellen Sektoren wie der Informationstechnologie bedenkt. Deshalb fordern die starken, jenseits politischer Parteien organisierten Bewegungen der Arbeitslosen von Neapel nicht mehr ausschließlich „Arbeitsplätze“ sondern in zunehmendem Maße das sogenannte „salario garantito“, um zumindest Grundbedürfnisse befriedigen zu können, ohne sich der allgegenwärtigen Camorra andienen zu müssen. Diese kontrolliert neben dem gesamten Schwarzmarkt von raubkopierten CDs bis zu den unvermeidlichen Gucci-Taschen-Plagiaten natürlich auch den Drogenhandel der Stadt sowie verschiedene Sektoren des Kleingewerbes und ist so stets zur Stelle, wenn der offizielle Arbeitsmarkt versagt. Sofern er je irgendwann bzw. irgendwo „funktioniert“ hat: Der Stundenlohn für TouristInnenführungen in den ehemaligen Zisternen und Wasserleitungen des „unterirdischen Neapel“, inkl. Finsternis und extremer Luftfeuchtigkeit, beträgt jedenfalls beschämende 3 Euro.

Seit der nach wie vor stets präsente schwarze Schmuggelzigarettenmarkt nicht mehr genügend Profit abwirft, hat sich auch das Geschäftsinteresse der ehrenwerten Gesellschaft auf eine andere Droge verschoben, und so zählt neben der hohen Kleinkriminalität und den zahlreichen Todesopfern der Mafia-Familienfehden der massiv verbreitete Heroinkonsum zu den Hauptproblemen der Stadt. Zumindest wenn gerade Wasser vorhanden ist, denn nicht selten sitzen ganze Stadtteile auf dem Trockenen, weil irgendeine Leitung gebrochen ist, oder in der heißen Jahreszeit der Wasserdruck nur für die untersten Stockwerke reicht. Dann protestieren nicht nur politische AktivistInnen, sondern die Bevölkerung ganzer Viertel in der für Neapel typischen, direkten Art und Weise: Autobahnen werden blockiert, Bahnhöfe besetzt und innerstädtische Demonstrationsrouten stets so gewählt, dass nahezu der gesamte Verkehr der Stadt (Neapel!) möglichst effektiv zum Stillstand kommt. Vor dem Rathaus ziehen starke Polizeieinheiten auf, um die x-te Erstürmung desselben zu verhindern. Überhaupt wird Politik in Süditalien gerne auf der Straße gemacht. Sogar die BürgermeisterInnen der Umgebung Neapels gingen Anfang Mai auf die Straße. Das seit Jahren bekannte Problem der eklatanten Unterkapazitäten der Müllentsorgungsanlagen führt regelmäßig zu wahrhaft chaotischen Zuständen: Die Straßen der Orte an der Peripherie sind über und über von Müll übersät, da sich Ratten und anderes Getier an den Müllsäcken zu schaffen machen. Demonstrationen standen auf der Tagesordnung, einige Gemeindeverwaltungen sperrten aus Protest- und hygienischen Gründen gar die Schulen zu. Die Lage entspannte sich erst, als sich im Norden – offensichtlich gut bezahlte – Abnehmer für -zig Zugladungen Abfall fanden. Die Kampagnen gegen die kurzsichtige „Müllpolitik“ blieben aber nicht nur das Terrain etablierter Politikfunktionäre, auch die linksradikalen AktivistInnen des „NoGlobal-Netzwerks“ beteiligten sich an Aktionen und führten eigene Kampagnen durch. So bewahrheitete sich aufs neue jene Aussage eines langjährigen NoGlobal-Aktivisten, mit der er den wichtigsten Unterschied zwischen der aktuellen Bewegung und jenen der 80er und 90er Jahre bezeichnete: „Die Leute hören uns zu!“

Für die radikale Linke in Neapel sind die besetzten Centri Sociali der wichtigste lokale Bezugspunkt. Mindestens fünf davon gibt es im Stadtgebiet, und immer wieder werden leerstehende Häuser oder ehemalige Fabriken besetzt, wie eben erst vor kurzem das Terra Terra, das nach der gemeinsamen Besetzung von Autonomen, organisierten Arbeitslosen und Disobbedienti im April bei einem Brand

(-anschlag) zerstört wurde. Die seit mehr als 12 Jahren besetzte Officina99 zählt zu den bekanntesten Centri Sociali Italiens, nicht zuletzt durch die „Hausband“ 99Posse, und ist eher subkulturell-musikalisch ausgerichtet. Überhaupt scheint sich zwischen den einzelnen Centri Sociali eine Art „Arbeitsteilung“ entwickelt zu haben (natürlich mit zahlreichen Überschneidungen personeller und organisatorischer Natur): Das innerstädtische SKA ist die politaktivistische Drehscheibe der neapolitanischen radikalen Linken, im TNT wohnen und organisieren sich vor allem MigrantInnen und das Cerriglio veranstaltet Filmreihen, Fotoausstellungen (so fand der erste neapolitanische Lomo-Wettbewerb im Cerriglio statt) und Theateraufführungen. Von diesen „Spezialisierungen“ einmal abgesehen eint jedoch eine radikal antikapitalistische und auch hierarchiefeindliche Ausrichtung die AktivistInnen und Gruppierungen, und das neapolitanische Leben, das sich größtenteils „auf der Straße“ abspielt, tut ein Übriges zur ständigen Durchmischung und Überlagerung der verschiedenen Szenen.

Mit der Antikriegsbewegung erfuhr der politische Aktivismus auch auf der Universität einen neuen Aufschwung. Das zentrale Universitätsgebäude des „Istituto Universitario Orientale“ wurde besetzt und zum Zentrum der Antikriegsaktivitäten. Neben dem zum „Indy-Media-Center“ mutierten Computerraum, dem ohnedies stets besetzten „Anarchistischen Zentrum“ gab es unzählige Protestveranstaltungen, eine „antiimperialistische Ausstellung“, umgewidmete Lehrveranstaltungen (bis hin zur Hölderlinschen „Friedensfeier“ am Institut für Germanistik), Spontandemonstrationen und -blockaden und vieles andere mehr. In der Zwischenzeit wurden die teilweise seit 1995(!) besetzten Räume gewaltsam geräumt. Als Vorwand dienten angeblich notwendige Bau- und Desinfektionsarbeiten. Doch kaum war der Palazzo wieder eröffnet, trafen sich auch die Aktivistinnen, um neue Besetzungspläne zu schmieden. So konnte Mitte Mai wieder ein großer Hörsaal unter die Kontrolle der Studierenden gebracht werden.

Leider gibt es auch aus der neapolitanischen Linken nicht nur Erfreuliches zu berichten: So vermischt sich die allgegenwärtige „Solidarität mit Palästina“ selten, aber doch, mit antisemitischen Untertönen. Da werden dann alles beherrschende „zionistische Waffenlobbies“ in den Vereinigten Staaten hervorverschwört oder „Sharon Nazista“ nebst Hammer und Sichel an Wände gesprayt. Linken KritikerInnen dieser antisemitischen Ausfälle wird dann gerne „falsche Prioritätensetzung“ vorgeworfen.

Auch auf einer allgemeineren Ebene scheint es in Italien regional durchaus unterschiedliche Zugänge zu radikaler Kapitalismuskritik geben. Während im Norden stärker die dezidiert „antinationalen“ Disobbedienti den Ton angeben und mit dem US-britischen Krieg auch den islamischen Terror entschieden zurückweisen, so steht hier im Süden der klassische Befreiungsnationalismus immer noch hoch im Kurs, und trotzig wird „Non sono disobbediente“ neben den Roten Stern geschrieben. Ebenfalls auffällig ist das nahezu vollständige Fehlen feministischer Positionen im politischen Diskurs. Es wird auch durchaus als nicht außergewöhnlich angesehen, wenn 5 Männer sich das Podium einer linken Diskussionsveranstaltung teilen (die selbstverständlich ein Mann moderiert).

Positiv bemerkenswert hingegen ist, dass mit dem allgemeinen Aufschwung sozialer Bewegungen in Italien auch der „klassische“ Streik zu neuen Ehren kommt. Täglich berichten die Medien über Arbeitsniederlegungen von Belegschaften einzelner Fabriken, aber auch ganzer Branchen wie zuletzt des Flugpersonals. Ende März streikten erstmals seit langer Zeit SchülerInnen und Lehrpersonal gemeinsam gegen die geplanten massiven Verschlechterungen im Bildungsbereich. Auch bei den Schienenblockaden, welche Kriegsmaterial transportierende Züge oft stundenlang am Ab- bzw. Weiterfahren hinderten, kam es immer wieder zu Solidaritätsbekundungen der Bahnbediensteten. Trotz des von Berlusconi ausgerufenen „Notstandes“ und dem gesetzlichen Verbot, die Kriegstransporte per Eisenbahn zu bestreiken, solidarisierten sich immer wieder Eisenbahnangestellte mit den BesetzerInnen. Einzelne Lokführer weigerten sich gar, überhaupt Züge mit Kriegsmaterial in Betrieb zu nehmen, andere mussten dazu gezwungen werden. So konnten die „Todeszüge“ oft nur nach massiven Polizeieinsätzen und stundenlangen Aufenthalten bzw. Umwegen ihre Ziele erreichen.

Die Vielfalt der Bewegung

An der Spitze der Demonstration ein riesiges Transparent auf welchem eben Arbeit eingefordert wird, allerdings gleich mit der Einschränkung „senza confini, senza padroni“, also ohne Grenzen und ohne Chefs. Dahinter eine Hundert-, manchmal auch Tausendschaft von Menschen, nicht selten mehrheitlich weiblichen Geschlechts: Das von so mancher revolutionärer Kleingruppe so schmerzlich vermisste Proletariat: Hier singt es lautstark, klatscht in die Hände, besetzt Rathäuser, Bahnhöfe und Autobahnen – und das ganz ohne revolutionäre Führung! Es handelt sich um eine der mindestens im Wochenrhythmus stattfindenden Aktivitäten der neapolitanischen Arbeitslosenbewegung. Sie existiert in der Region bereits seit über 30 Jahren, ist parteiunabhängig und liefert sich ab und an heftige Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften, die wieder einmal die Besetzung eines Bahnhofes oder der naheliegenden Autobahn zu verhindern trachten. Ja, und dann gäbe es da noch die Proteste von organisierten MigrantInnen und BasisgewerkschafterInnen gegen das rassistische „Bossi-Fini-Gesetz“, die Gegenkundgebungen zur „nationalen Waffenmesse“, jene gegen die temporäre Rückkehr der ehemaligen italienischen Königsfamilie, gegen die Ermordung eines Centri-Sociali-Aktivisten durch Neonazis, die Besetzung der Handelskammer, Hafenblockaden, der 1. Mai, Social-Forum-Veranstaltungen, u.v.a.m.

„Dank“ des entgültigen Durchdrehens des kommunismusparanoiden Regierungschefs – er droht missliebigen Journalisten mit Haft und korrupten Regierungschefs mit Immunität – und eines sich zunehmend verschärfenden innenpolitischen Klimas ist immer öfter wieder eine Parole zu hören, die eigentlich aus den 70er Jahren stammt, wohl oder übel aber die Zukunftsperspektive der sozialen Bewegungen in Italien darstellt: „Lotta dura senza paura“.

zum Fiatbuch von Revelli

Wildcat Nr. 57 – Oktober/November 1991 – S. 20-22 [w57bolog.htm]

Das Wildcat-Kollektiv bringt im Herbst (entgegen der ursprünglichen Planung) als TheKla 15 ein Buch über die Geschichte der Arbeiterkämpfe bei FIAT heraus. Es beginnt mit den Erfahrungen der Süditaliener, die Ende der 50er und Anfang der 60er in den Norden gehen, beschreibt, wie sie zu den Protagonisten des »Heißen Herbstes« 1969 werden, wie sie in der ersten Hälfte der 70er Jahre die riesige Fabrik praktisch in der Hand haben. Dann kommt der Gegenangriff des Unternehmers: immer mehr Technologie wird aufgefahren, Ende 1979 werden zum ersten Mal ArbeiterInnen gekündigt, schließlich kündigt FIAT im September 1980 knapp 15 000 Entlassungen an. Die Arbeiter organisieren Demos, besetzen die Tore, streiken. Aber nach 35 Tagen organisieren die Kapos eine Demo durch Turin, die als »Marsch der 40 000« in die Geschichte eingehen sollte. Sie fordern das Ende des Streiks, das »Recht auf Arbeit«. Am Tag darauf unterschreibt die Gewerkschaft das Abkommen, das »Kurzarbeit zu null Stunden« für 23 000 ArbeiterInnen vorsieht. Damit geht ein ganzer Kampfzyklus zu Ende. Im letzten Kapitel (das 1988 geschrieben wurde) erfahren wir einiges über die 80er Jahre: wie die letzten Avantgarden mit hohen Abfindungen aus der Fabrik gedrängt werden, wie die Technologie Arbeiterforderungen »befriedigt« und gleichzeitig angreift.

Wir bringen das Buch raus, weil es uns helfen kann, die Klassenkämpfe von heute (und morgen) besser zu verstehen: weil es auch die inneren Grenzen des letzten Kampfzyklus aufzeigt. Es ist zu einfach und politisch tödlich, ein Idealbild der tollen Kämpfe in den 60ern und 70ern zu malen und deren Niederlage vollständig auf »die Repression«, den »technologischen Gegenangriff« usw. zu schieben. In dem Buch finden wir viele Hinweise darauf, daß die Kämpfe schon vorher an ihre inneren Grenzen gestoßen waren, daß Widersprüche in der Klasse deutlich geworden waren usw. Hier konnte das Kapital ansetzen.

Sergio Bologna hat in der Nr. 1-2/1990 der Zeitschrift »Movimento Operaio e Socialista« das in Italien erschienene Buch gelobt und es gleichzeitig verrissen. Seine Rezension drucken wir im folgenden stark gekürzt ab. Er hat natürlich Recht: es ist politisch ein Skandal, daß ein Genosse von Primo Maggio sich heute hinstellt und so tut, als hätte er da nie mitgemacht und als hätte es den Notstand in Italien nie gegeben. Und genau so hat er Recht mit seiner Kritik des Turiner Intellektuellenlasters, sich für den Nabel der Welt zu halten. Aber für uns sind beide Macken des Buchs eine Art Glücksfall: Wir erfahren viel mehr über die inneren Probleme im Klassenkampf, und wir erleben im Brennpunkt FIAT die wesentlichen Etappen und Erfahrungen in den Klassenkämpfen im Italien der 60er und 70er Jahre.

Noch kurz zur Erklärung: Primo Maggio war eine Zeitschrift, bei der sowohl der Autor des Buchs als auch Sergio Bologna mitgemacht haben, die sich seit Ende der 60er Jahre sehr intensiv und umfassend mit der italienischen Klassengeschichte von unten befaßt hat. Mit »Notstand« meint Sergio die vielen tausend politischen Gefangenen und die Notverordnungen in Italien nach den Verhaftungswellen seit dem 7. April 1979.
Zum Buch »Lavorare in Fiat« von Marco Revelli

Ich werde mich nicht damit aufhalten, den Schreibstil zu loben, mit dem es gelungen ist, aus jahrelanger geduldiger und bescheidener Arbeit ein aktuelles Instant-Buch zu machen. Noch will ich mich groß auslassen über den geschickten Wechsel zwischen lebendigen Zeugnissen, Zahlen und prozentualen Vergleichen (die kommunikative Potenz der Zahlen!) und analytischen Beobachtungen. Ich möchte lieber den Wert einiger analytischer Abschnitte hervorheben und aus ihnen den Kern des historischen Urteils herausschälen.

Erstens: Zentral ist bei FIAT ein savoyisch-militärisches Modell, die Disziplin, die hierarchische Ordnung, das Kommando. Ein Ancien Regime, das gekrümmte Rücken, aber auch Sansculotten hervorbringt. Ein militärisches Modell, das nicht in der Lage ist, das Neue im subjektiven Verhalten der Menschen gegenüber der bestehenden Ordnung aufzunehmen und zu beherrschen.

Zweitens: Mit flexibler Automatisierung und Robotisierung wird dasselbe Modell nochmal vorgeschlagen als Synthese zweier hierarchischer Gesellschaftsformen, nämlich der savoyischen und der japanischen. Übergang von der Amerikanisierung zur Japanisierung, vom rein ausführenden Arbeiter des Fordismus zum »sich einbringenden« Arbeitnehmer der Qualitätszirkel.

Drittens: Nach dem »Heißen Herbst« errichtet die Arbeiterklasse »eine Stadt ganz für sich mit eigenen Rechten und mit eigenen Vorstellungen von Ehre und Würde«. Sie weigert sich, in die Stadt der bestehenden Rechte einzutreten und sich mit deren Regeln abzufinden, womöglich einige Ergänzungen einzubringen. Dieses historische Urteil, auf das Revelli bei seiner immer gründlicheren Beschreibung der Arbeitercommunity oft zurückkommt, scheint mir sehr wichtig zu sein als Gegengewicht zur verrückten Vorstellung der »individuellen Rechte«, die sich heutzutage in der Gewerkschaft breitmacht. Demgegenüber basierte die Demokratievorstellung der gesamten Tradition der Arbeiterbewegung immer auf dem Begriff von »gesellschaftlichem Kollektiv« und der Vorstellung der Assoziation.

Viertens: Die in den harten (50er) Jahren geformten Gewerkschaftskader verstehen den egalitären Lohndruck nicht. Daß der Egalitarismus der Gewerkschaftskultur immer fremd war, haben schon viele Leute offengelegt, aber Marco Revelli hebt richtigerweise hervor, wie unempfänglich die Gewerkschaft für den Lohndruck tout court ist und setzt das in Verbindung zu ihrem Unverständnis für die neuen »existentiellen« Dimensionen der Befreiung durch den Kampf: der Lohn gesehen als Wahlmöglichkeit zwischen Mehrarbeit und Arbeit, nicht mehr als »gerechte« Entlohnung für Leistung oder Qualifikation.

Fünftens: Die Entwicklung dieser neuen existentiellen Dimension und dieser neuen Sicht des Lohns in der Destrukturierung (Auflösung der Struktur) der »Fabrikzeit«, in der Befreiung der Zeit (»So erscheint zum ersten Mal eine hauchdünne, zerstückelte, informelle freie Zeit der Fabrik»). Natürlich ist das ein individueller Prozeß, der sich sogar gerade in der Zeit akzentuiert, in der Revelli den Rückzug der Arbeiter von Mirafiori aus der »öffentlichen Sphäre« feststellt, und der seinen höchsten Ausdruck in den Verhaltensweisen der Jugendlichen von ’77 finden sollte; aber dieser Prozeß wurde nur möglich durch einen geschlossenen kollektiven Weg und durch die Legitimation der neuen individuellen Verhaltensregeln (Absentismus) von seiten der Arbeitercommunity.

Sechstens: Die Konstituierung eines neuen Gesellschaftsvertrags 1975 mit der Anerkenntnis, daß die Komplexität der Situation eine Veränderung in der Unternehmensphilosophie erforderte im größeren Rahmen der Veränderung der Spielregeln auf nationaler Ebene, einer Ausweitung der Leistungen des Sozialstaats. Revelli arbeitet die Erneuerer-Rolle von Agnelli an der Spitze des Unternehmerverbandes und das plötzliche Nachlassen des Drucks auf die Arbeitskraft in der Fabrik heraus. Es beginnt ein Zwischenspiel von »Respekt für die Menschheit« seitens der FIAT-Gruppe, das im Widerspruch zur gesamten Tradition und der späteren Entwicklung steht und in der Einstellung von 10 000 Jugendlichen aus der 77er-Bewegung gipfelt – unter ihnen viele Frauen.

Die Analyse der Subjektivität und der kollektiven Verhaltensweisen der Generation der Neu-Eingestellten stellt den besten Teil des Buches dar. Die 77er Bewegung war immer ein »geheimnisvolles Objekt« für unsere Kultur, ihre Subjekte empfanden wir als »Aliens«. Revelli ist der erste, der dieser Generation gerecht wird, was vielleicht dadurch erleichtert wird, daß er ihre Bewegungen in einer Umgebung – der Großfabrik – verfolgt, die der Form nach für sie feindlicher und fremder ist. (»Wenn auch in der unzusammenhängenden Ausdrucksweise der Ideen, für die es noch keine Worte gibt, drückten die Neueingestellten die substantielle Weigerung aus, diese Reduzierung des eigenen Lebens und der eigenen Zeit auf eine Ware zu akzeptieren, die am Anfang des Arbeiterkampfs selbst gestanden hat. Und sie stellten implizit die viel weitergehende Forderung nach einem Sinn der eigenen produktiven Tätigkeit, und nach Autonomie.«)

Ein gutes Viertel des Buchs ist der Niederlage und ihrem Preis gewidmet. Auch, ich würde sogar sagen: vor allem, auf diesen Seiten gelingt es Marco Revelli, den Sinn einer kollektiven Geschichte, einer einstimmigen Geschichte wiederzugeben; wahrscheinlich ist es wiederum sein Schreibstil, der ihm das erleichtert, in Wirklichkeit glaube ich handelt es sich tatsächlich um ein anderes »historisches Gespür« dessen, der die Subjektivität erforscht und dem es paradoxerweise gelingt, aus den individuellen Geschichten ein gesellschaftliches Mosaik zusammenzusetzen. In diesem Sinn bricht Revelli mit einer langen Tradition der Turiner Arbeitergeschichte als »Geschichte der Parteimitglieder«, als Glieder einer organisierten Kette, in der immer alles auf die Parteiform, auf eine höhere institutionelle Ebene, auf eine politische oder gewerkschaftliche Synthese verschoben wurde. Endlich finden wir hier die Community, das Kollektiv; nicht die Partei, sondern die soziale Gruppe. Hier sehen wir, daß der Post-Kommunismus, von dem heute im Gefolge der Krise der Regimes im Osten so viel die Rede ist, schon von denjenigen breit praktiziert wurde, die in den 70er Jahren den Mut hatten, sich mit dem Neuen zu messen. Hier sehen wir, daß es möglich ist, Kultur und Politik hervorzubringen – im vollen Sinn historisches Subjekt zu sein – außerhalb der Denkmuster, die uns die institutionelle Linke überliefert hat.

Das Buch von Revelli hat aber auch schwerwiegende Grenzen. Vor allem die eines gewissen Provinzialismus. Auf Seite 27 steht eine bezeichnende Aussage: »Die Idee vom »Nabel der Welt« [zieht sich] wieder aus Turin zurück und wartet darauf, sich von neuem wer weiß wo zu materialisieren.« Operaisten-Ehrenwort, mir scheint in der jüngeren Geschichte der Klassenbeziehungen Turin nicht gerade der Nabel der Welt zu sein und nicht einmal der Ort, an dem die innovativsten gesellschaftlichen Veränderungen im Autozyklus stattgefunden hätten. Die »Basiskomitees« sind wohl oder übel bei Pirelli Bicocca entstanden, und die ersten Initiativen zur Umstrukturierung, mit einem ähnlichen Gebrauch der Kurzarbeit wie bei FIAT im September 1980, wurden von Innocenti in Lambrate unternommen. Die Autoindustrie und folglich auch die Kultur des Konflikts in ihr hat immer internationale Dimensionen gehabt. Wenn die neuen Technologien ’76/77 zu FIAT kommen und niemand merkt’s, so kommen sie in denselben Jahren auch in die deutschen Fabriken und die IG Metall macht daraus eins der Themen für die neuen Tarifverhandlungen auf Betriebsebene, wobei sie die Normen der Mitbestimmung [im Original deutsch; d.Ü.] benutzt… Wie kann man von einer Arbeitergemeinschaft sprechen, und diese gleichzeitig von einem Universum, von einer gegliederten, reichen Bevölkerung, alles in allem von einem Gewebe von Kommunikation und gegenseitigem Austausch voller Resonanzen abstrahieren? Ist die Polarisierung des Verhältnisses Arbeiter-Kapital innerhalb von Mirafiori, die Abwesenheit der Stadt – sei es als Ausweitungsperspektive für den Arbeiterkampf oder als aktive, solidarische Beteiligung von gesellschaftlichen Schichten, die keine Arbeiter sind – tatsächlich eine historische Grenze dieser Erfahrung (warum wird sie dann nicht stärker problematisiert?) oder ist sie eine Grenze des Historikers?

Dieser Provinzialismus kann bis zum Jahre 1980 noch toleriert werden, da er die Geschichte von FIAT zwar verarmt aber nicht beschädigt, doch er verdunkelt die uns näher liegende Periode. Revelli erwähnt nebenbei den Prozeß gegen die Geschäftsleitung von FIAT, aber nicht die politischen Ursprünge dieses Prozesses, die auf die Opposition der Alfa Romeo-Arbeiter zurückgehen… Die Geschichte hat sich bei Alfa Romeo (das seit 1987 zu FIAT gehört) ganz anders entwickelt, deshalb möchte ich hier anmerken, daß der Klassenkonflikt im Automobilsektor in Italien nicht nur im »Mittelpunkt der Welt« gedeiht, und daß die Idee von Turin als »Hauptstadt« eher ein Laster und eine schlechte Gewohnheit der Turiner Intellektuellen als eine Realität ist. Im Gegenteil wäre zu fragen, ob ein grundlegendes Element der Arbeitercommunity bei

FIAT in den 70er Jahren nicht gerade der hohe Grad an Kommunikation und Zirkulation von Kulturen und Verhaltensweisen war, und ob die Art, wie Revelli die Herausbildung dieser Community darstellt, der Wirklichkeit entspricht oder nicht vielmehr die Übertreibung einiger ihrer Mechanismen ist. Sein »Fabrikismus« hat einige überzeugende und einige weniger überzeugende Seiten.

Diese Umstände nicht zu erwähnen ist aber nicht die einzige Auslassung von Gewicht: sehr viel schlimmer erscheint mir, daß das Phänomen des Notstands vollständig ignoriert wird. Der Notstand war keine Bagatelle; er hat die Zweite Republik begründet; für die Kultur der italienischen Linken ist er eine schwer auszulöschende Schande gewesen, ein gewaltsamer Rückfall in den Stalinismus. Der Notstand hat (außer daß er einige Pfeiler individueller Rechte zerstört hat) auch die demokratische Sensibilität unserer Kultur schwer beschädigt und die öffentliche Moral verzerrt. Die Intoleranz und die Pogromstimmung, beide so fremd für die Tradition des italienischen Volkes, sind zum ersten Mal mit dem Notstand aufgekommen und sind ein schwerwiegendes, schändliches Vermächtnis und gleichzeitig Vorbote weiterer Intoleranz. Die Haltung, den Notstand als notwendiges Heilmittel und das was er zerstört hat als zerstörenswert zu betrachten, ist heute weit verbreitet. Das vom Notstand erzeugte Klima hat die Qualität des Angriffs von FIAT im Herbst ’80 ermöglicht, die Qualität der gewerkschaftlichen Kapitulation und die damit zusammenhängenden Flegeleien der Reaktion in den 80er Jahren. Sollte das Marco Revelli entgangen sein? Von jener Zeit und jenen Ereignissen zu reden, ohne den Notstand zu erwähnen, ist wie die Figuren eines Bildes zu entwerfen und dann die Farben zu vergessen.

A propos, wenn man einen Blick auf die Bibliographie des Buches wirft, so ist nicht zu übersehen, daß Revelli kein einziges Mal (stimmt nicht, einmal tut er’s! d.Ü.) eine Zeitschrift erwähnt, an der er selbst einflußreich mitarbeitete – und dabei oft mit der Redaktion über seine Arbeit unter den FIAT-Arbeitern diskutierte – und aus der Materialien stammen, die er im Text verwendet; eine Zeitschrift, die zur Arbeitersubjektivität Sachen sagte und machte, die wir für wichtig hielten. Auch für Marco Revelli. Ist es Unachtsamkeit oder Weißwäscherei? [im Original deutsch; d. Ü.]

Sergio Bologna, Januar 1990

Sevesos unbekannte Geschichte

Wildcat Nr. 56 – Juli 1991 – S. 28-31 [w56seves.htm]

Arbeiterwiderstand gegen die physische Zerstörung von Menschen und Umwelt im Italien der 70er Jahre

Sergio Bologna / Luigi Mara
[aus: Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (Hrsg.), Arbeitsschutz und Umweltgeschichte, Köln 1990]

Die Geschichte des Widerstands der Arbeiterklasse gegen die Zerstörung des Menschen und der Umwelt in den 70er Jahren und die damit zusammenhängende Geschichte der kritischen Wissenschaft, der alternativen Medizin und Psychiatrie, in Italien lassen sich am besten an den Erfahrungen einer Betriebsgruppe in der chemischen Fabrik des Montedison-Konzerns in Castellanza – 25 Kilometer von Mailand entfernt – beschreiben.

Bezüglich des Techniker-Anteils an der Belegschaft nahm der italienische Chemie-Sektor einen Mittelplatz zwischen den mit hochqualifizierten Arbeitskräften ausgestatteten Industrien und den Industrien der Massenarbeiter ein. In den chemischen Betrieben war Ende der 60er Jahre der Einfluß der Kämpfe der Mailänder Techniker und der Arbeiter der Autoproduktion (Pirelli, Fiat) entsprechend stark. Für Castellanza spielte die Geschichte der lokalen Kommunisten, die eine »harte« Richtung vertraten, eine wichtige Rolle.

Einige militante Arbeiter waren schon während der 60er Jahre in die noch bestehende »Unfall-Kontroll-Kommission« des Betriebes eingetreten, die nur eine beratende Funktion hatte und in der drei Vertreter der Arbeiter 20 Vertretern der Betriebsleitung gegenübersaßen. Folgende Forderungen wurden von ihnen gestellt:

1. Kontrolle des Gesundheitszustandes der Arbeitnehmer;
2. Überwachung der gesetzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen bei den kleinen Fremdfirmen, die für Montedison Arbeiten durchführten;
3. Strafanzeige, wenn diese Unternehmen die Vorschriften nicht beachteten.

Alle diese Forderungen wurden von der Betriebsleitung zurückgewiesen. Wichtig bei diesem ersten gescheiterten Vorstoß war der Versuch, ein Bündnis mit den Leiharbeitern herzustellen.

Als sich 1969 die Kräfteverhältnisse im Betrieb zugunsten der Arbeitnehmer verschoben, stellten die Vertreter des inzwischen neugewählten Betriebsrats neue Forderungen auf: Arzt- und Krankenpflegerdienst müssen an jedem Arbeitstag 24 Stunden zur Verfügung stehen, weil die Fabrik rund um die Uhr lief (vorher war der Arzt nur vier Stunden pro Tag am Ort), und die Tätigkeit des Dienstes müsse unter der ständigen Kontrolle des Betriebsrates stehen.

Ferner wurde die Forderung erhoben, daß das Krankenblatt vom Arzt dem Betroffenen und nicht, wie es üblich war, der Krankenkasse übergeben werden sollte und alle wichtigen klinisch-statistischen Daten auch dem Betriebsrat mitgeteilt werden müßten.

Bis zu diesem Zeitpunkt gingen die Forderungen meist in Richtung systemimmanenter Rationalisierung und Verbesserung.

Der Qualitätssprung kam, als der Betriebsrat selbst die Reorganisation des Arbeitsschutzes übernahm. Voraussetzung dafür war Fachwissen. Mit Unterstützung durch Wissenschaftler, Ärzte und Medizinstudenten wurde die aktuelle internationale Literatur ausgewertet und eine ganze Reihe von Informationen über die in der Produktion entstehenden Schadstoffe gesammelt und unter den Arbeitern verteilt. Zu den wichtigsten Giften wurden Informationskarten angelegt. Die erste dieser Informationskarten betraf das Quecksilber, das in der Melamin-Abteilung in großen Mengen verarbeitet wurde. Die toxikologischen Aspekte und die Symptome der Vergiftung wurden detailliert beschrieben.

Dadurch sollten die Arbeiter zur Selbst-Anamnese und zur Beurteilung der Risiken ihres Arbeitsplatzes befähigt werden. Wissenschaftliche Ausdrücke und Kenntnisse, die früher zur Sprache der Macht und der Entfremdung gehört hatten, wurden nun Selbstschutzinstrumente. Der Objektivität des Kapitals wurde die Subjektivität der Arbeiter gegenübergestellt. Den standardisierten Verträglichkeitsbegriffen, den berüchtigten MAK-Werten (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) wurden andere Kriterien nach der Prämisse »Null-Risiko« gegenübergestellt. Das Risiko sollte nicht unter Kontrolle gehalten, sondern einfach abgeschafft werden.

Die MAK-Kriterien sahen maximale Toleranzwerte einzelner Schadstoffe vor, Stoffverbindungen wurden nicht berücksichtigt. Es gibt aber Stoffe, die nur in Kombination schädlich wirken; die Mischung von zwei Schadstoffen innerhalb ihrer jeweiligen Toleranzdosis kann eine unverträgliche Dosis schaffen. Zudem erfassen MAK-Werte nicht die individuelle Situation der Arbeiter. Damit ist nicht nur die psychophysische oder psychosomatische Verfassung gemeint, sondern vor allem die gesamte persönliche Arbeitsbiographie. Für welchen Zeitraum hatte der einzelne Arbeiter Schadstoffe eingeatmet, durch die Haut absorbiert? Wieviele Lärmstunden hatten sein Nervensystem erschüttert? Vor diesem Hintergrund erweisen sich die MAK-Kriterien als fragwürdig; jeder einzelne hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Toleranzgrenzen. Doch wer ermittelt und schreibt diese Geschichte? Oral history kann vielleicht dazu beitragen, nicht jedoch eine nur akademische oral history. Die Arbeiter von Montedison erkannten die Notwendigkeit, eine breite Untersuchung der Belegschaft mit medizinstatistischen Methoden und eine detaillierte Analyse der für jeden Arbeitsplatz existierenden Risikofaktoren anzugehen. Eine neue gesetzliche Regelung bot dazu die Möglichkeit.

1970 wurde in Italien infolge des »heißen Herbstes« das Gesetz Nr. 300 – das sogenannte »Arbeitnehmerstatut« – verabschiedet. Paragraph 9 des Gesetzes lautet: »Die Arbeitnehmer haben das Recht, über ihre Vertretungen die Durchführung der gesetzmäßigen Maßnahmen zur Verhütung der Arbeitsunfälle und der Berufskrankheiten zu überprüfen, und das Recht, die Anwendung aller Maßnahmen zu fördern, die zum Schutz ihrer physischen Integrität und Gesundheit bestimmt sind«.

In dem Montedison-Werk von Castellanza (ca. 1400 Arbeiter) schuf die Belegschaft daraufhin einen eigenen Ausschuß zur Bekämpfung des Gesundheitsrisikos, die Gruppe für Verhütung und Umwelthygiene (Gruppo di prevenzione e igiene ambientale, GPIA), die aus Arbeitern, Technikern und Angestellten der verschiedenen Abteilungen und einigen externen Experten bestand. Die Zahl der Teilnehmer schwankte zwischen 25 und 30; die Initiative war offen für alle Betroffenen und Interessierten. Träger der allgemeinen gewerkschaftspolitischen Verantwortung auf Betriebsebene war aber das Betriebsratskollektiv, das aus 117 Mitgliedern bestand. Es handelte sich um eine basisdemokratische Organisation, die sich weigerte, ein leitendes Führungskomitee zu benennen und diesem – wie es in den meisten italienischen Betrieben üblich war – ihre Machtbefugnisse zu übertragen. Diese Komitees standen unter der Kontrolle der Partei- und Gewerkschaftsbürokratien und gerieten häufig in Konflikt mit den basisdemokratischen, abteilungsnahen Vertretungen der Belegschaft.

Das Betriebsratskollektiv kontrollierte die Arbeit der GPIA. Es stützte sich auf ein Netz von abteilungsnahen Zellen, die sogenannten »homogenen Arbeitnehmergruppen« (Gruppi operai omogeni, GO), die sich aus Personen zusammensetzten, die ähnlichen Arbeitsbedingungen und damit ähnlichen Risikofaktoren unterlagen.

Die 1972/73 vorgenommene Massenuntersuchung aller Arbeiter der Montedison-Werke von Castellanza wurde nicht ohne harte Kämpfe gegen den Widerstand der Betriebsleitung durchgesetzt. Es dauerte 28 Monate, in denen mehrfach gestreikt wurde, bevor der Konzern den Forderungen der Arbeitnehmer entgegenkam. Diese Zeit wurde von der GPIA genutzt, um die Untersuchung so anzulegen, daß weder ein »neutraler« noch ein »befreundeter« Experte sie ohne die entscheidende aktive Beteiligung der Betroffenen hätte durchführen können. Die hinzugezogenen Techniker und Experten mußten dem Erhebungskatalog, der von den Betroffenen nach einer von der GPIA entwickelten Methode selbst aufgestellt wurde, folgen, und nicht umgekehrt. Ein Vertreter der GPIA erklärte auf einer Versammlung: »Der Schlüssel muß immer bei den Betroffenen bleiben«.
Das Register der Umweltdaten

Die Datenerhebung war in verschiedene aufeinanderfolgende Phasen gegliedert:

1. Besichtigung des Arbeitsplatzes durch die GPIA zusammen mit den Abteilungsdelegierten und der homogenen Arbeitergruppe (GO).

2. Die GO redigiert das Register der Umweltdaten, es enthält die genaue Beschreibung der Arbeitsphasen und des Arbeitsplatzes (der mit einer oder mit mehreren Arbeitsphasen übereinstimmen kann, weil der einzelne Arbeiter bei verschiedenen Arbeitsphasen eingesetzt werden kann).

3. Gemeinsame Diskussion zwischen GPIA, GO und Abteilungsdelegierten einerseits und Abteilungsverantwortlichen und Technikern des Betriebslabors für industrielle Hygiene andererseits über das Programm, das alle gefährdenden Faktoren und die Quantifizierung der verschiedenen Risikofaktoren für jede Phase des Produktionszyklus und für die Zahl der Arbeitsstunden umfassen sollte.

4. Dieses gemeinsam aufgestellte Programm wird den Arbeitnehmern der einzelnen Abteilungen vorgestellt und diskutiert.

5. Direkte Erhebungen durch Betriebstechniker und/oder hinzugezogene Experten mit aktiver Beteiligung und unter Aufsicht der Arbeiter der einzelnen Abteilungen, Betriebsratsdelegierten und GPIA.

6. Zwischenbericht mit Daten und Methodenbeschreibung; im Streitfall werden die Erhebungen nach der Methode der GPIA wiederholt; wenn es nötig wird, werden Vertrauenstechniker der GPIA hinzugezogen und vom Konzern bezahlt.

7. Außerordentliche Erhebungen. Wenn Störfälle, Pannen usw. eintreten, werden sofort neue Erhebungen (Fristzeit acht Stunden, sonst wird die Anlage stillgelegt) durchgeführt; es muß berücksichtigt werden, daß Pannen und Störfälle häufig auftreten, wenn die Anlage alt ist, schlecht instandgehalten wird oder wenn zur Steigerung der Produktivität Verfahrensänderungen eingeführt wurden.

Die von der GPIA entwickelte Methode der Datenerfassung förderte ein bisher immer unterdrücktes und nie formalisiertes kollektives Wissen zutage. Ziel der Datenerfassung war es, Vorschläge zur technologischen Änderung der Anlagen bzw. des Produktionsprozesses und der Arbeitsplatzgestaltung auszuarbeiten oder zusätzliche Forderungen in bezug auf schon begonnene Änderungen aufzustellen. Parallel lief das Programm klinischer Erhebungen mit der Feststellung von pathologischen Zuständen, die reversibel erschienen. Die hygienischen und ergonomischen Maßnahmen sollten gemeinsam durchgeführt werden.

Die Ergebnisse der Arbeitsplatz- und der klinischen Erhebungen bildeten das Register der Umweltdaten (registro dei dati ambientali), das jeweils aktualisiert wurde. Jeder Betroffene bekam seine Daten ausgehändigt, eine anonymisierte Kopie davon bekam die GO; damit entstand ein kollektives Wissen und ein für alle zugängliches Informationssystem, das das Recht des einzelnen auf Datenschutz gewährleistete.
Herzleiden und Lärm

Dr. Aldo Sachero und seine Kollegen vom »Zentrum für die Verhütung der Tuberkulose« wurden von der GPIA beauftragt, eine breite klinische Erhebung in Mailand durchzuführen. Dieser Untersuchung unterzogen sich 1346 Personen (98,5 Prozent der Belegschaft). Die Erhebungsstationen wurden innerhalb des Betriebsgeländes eingerichtet, untersucht wurde der allgemeine Gesundheitszustand der Betroffenen anhand von EKG, Urin- und Blutproben. Die Untersuchungen erfolgten während der Arbeitszeit, die GPIA übernahm zusammen mit dem Betriebsrat die praktische Organisation.

Nach einiger Zeit verbot die Betriebsleitung die weitere Durchführung der Untersuchungen auf dem Fabrikgelände. In den Räumen der Camera del Lavoro von Castellanza (Gewerkschaftshaus) wurde daraufhin eine Station für die Untersuchungen eingerichtet. Trotz der nun größeren Probleme bei der Bewältigung der Abwesenheiten der Schichtarbeiter konnte die Untersuchung erfolgreich beendet werden. 180 Fälle von vermuteten Cardiopathien mußten in den Mailänder Labors nachgeprüft werden. Bei dem dritten »screening« wurden 93 Fälle von Herzkrankheiten festgestellt. In dieser letzten Phase der Erhebung weigerte sich die Betriebsleitung, die Arbeiter während der Untersuchungszeit zu bezahlen. Nur dank der Solidarität aller Arbeiter, die eine Selbsthilfekasse einrichteten, konnten auch die letzten notwendigen Untersuchungen zuende geführt werden.

Die Auswertung ergab eine deutliche statistische Korrelation zwischen Herzkrankheiten und Lärm.

Diese Ergebnisse, die von der wissenschaftlichen Öffentlichkeit registriert wurden, erwiesen sich für eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Betriebe des metallverarbeitenden Gewerbes, der Papier- und Lederverarbeitung und Färbereien in der Region von Castellanza als besonders wichtig. In diesen Unternehmen, in denen es keine gewerkschaftliche Organisation gab und die Arbeitsbedingungen häufig sehr gesundheitsgefährdend waren, entstanden ebenfalls Initiativen zur Erfassung von Risikofaktoren, zur Bekämpfung von Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz und seiner Umstrukturierung nach ergonomischen Kriterien.

Die Behörden erarbeiteten zusammen mit den Betroffenen Projekte zur Reorganisation des gesamten betrieblichen Gesundheitswesens, die zum Teil dann von den Gemeindeverwaltungen übernommen wurden.

In der ganzen Region entwickelte sich ein Netzwerk von Initiativen, die hauptsächlich von Betriebsdelegierten und Angehörigen des Gesundheitswesens getragen wurden. So wurde das Bewußtsein von den Risiken der Industrieproduktion auch außerhalb der Fabrikmauern verbreitet. Es war eine klassenbewußte ökologische Bewegung. Ausbildungskurse, Informationsmaterial und Beratung wurden von Fabrikarbeitern, Technikern und sympathisierenden Experten zugunsten der betroffenen Bevölkerung als alternative soziale Dienstleistung angeboten.

Besondere Bedeutung erlangte im Rahmen dieser Zusammenarbeit die epidemiologische Untersuchung über die Arbeiter, die mit CMME (Chlormethylmethyläther) in Berührung gekommen waren. Der Betriebsrat des Montedison-Werks in Castellanza und die GPIA hatten über Fachliteratur von der krebserregenden Wirkung dieser Substanz erfahren. Um persönliche Daten über die Betroffenen sammeln zu können, wurden ungefähr tausend Gemeindeverwaltungen angeschrieben. Nur zwei antworteten.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden dem Weltkongreß über Krebsforschung in Florenz (1973) vorgestellt. Die Ergebnisse der Massenuntersuchung zogen Veränderungen des Produktionsprozesses nach sich. So mußte das krebserregende Monomer Vinylzyanid in einem geschlossenen Kreislauf hergestellt werden.
Die Redaktionsgruppe von »Sapere«

Diese und andere Ergebnisse hätten die Arbeiter des Montedison-Werks und der anderen Betriebe der Region nicht erreichen können ohne einen ständigen Kontakt- und Informationsaustausch mit Fachleuten, die bereit waren, das Fachwissen der Arbeiter zu akzeptieren und anzuerkennen – ein in der wissenschaftlichen Zunft nicht häufiger Fall. Bevorzugte Gesprächspartner waren die Fachleute, die sich um die Redaktion der 1972 gegründeten Zeitschrift »Sapere« gesammelt hatten.

Das Projekt der neuen »Sapere« beschrieb der Herausgeber Guilio Maccacaro wie folgt: »Die Initiative konzentriert sich auf ein einziges Thema: Wissenschaft und Macht. Die behauptete Macht des Kapitals und die geforderte Macht der Arbeiterklasse. Die Wissenschaft als Multiplikator der ersten und als Befreiungsfaktor der zweiten. […] Wir müssen denen das Wort geben, die wegen der Wissenschaft sterben, und denen, die – bewußt oder unbewußt – durch die Wissenschaft sterben. Wir müssen das politische Primat des Kampfes der ersten anerkennen; nur dieser Kampf kann Vereinheitlichungsmoment der Befreiung der zweiten werden.«6

Anhand dieser Prämissen skizzierte Maccacaro Methode und Inhalte der Arbeit der Redaktionsgruppe, die aus Leuten bestand, »die schon an verschiedenen Stellen einen Beitrag zu dieser Debatte leisten; es handelt sich nicht darum, ihnen einen gemeinsamen Ort für Diskussionen zu geben, sondern eine kollektive Arbeitsweise zu schaffen, bei der Wechselwirkungen entstehen.«

Das bestehende Netzwerk von Wissenschaftlern, Dozenten, Angehörigen des Gesundheitswesens, Sozialarbeitern usw. erweiterte sich schnell, dem Ansatz der Initiative entsprechend stießen zu der Redaktionsgruppe Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Historiker, Juristen und Politologen. Als Chefredakteur holte sich Maccacaro einen Medienspezialisten, Giovanni Cesareo, der jahrelang bei der Zentralredaktion der Tageszeitung der KPI »L‘Unità« tätig war. Das Problem der Sprache, der Vermittlung war für Maccacaro entscheidend, auch wenn er ausdrücklich keine populärwissenschaftliche Zeitschrift machen wollte.

Die Mehrheit der Redaktionsmitglieder bestand aus bereits etablierten Intellektuellen. Obwohl die Zeitschrift gegen den Strom schwamm, scharfe Kritik an der öffentlichen Verwaltung, der Regierung und der Opposition (KPI und Gewerkschaft) übte, unterstützte jedes Mitglied der Redaktion diese sonst als »linksextremistisch« gebrandmarkte Einstellung. Natürlich war die Zeitschrift nicht linksextremistisch, sie war nur realistisch und gut informiert. Wenn man aber bedenkt, wie vorsichtig sich sonst auch aufrichtige Wissenschaftler ausdrücken, drängt sich der Schluß auf, daß »Sapere« das Produkt eines erstaunlichen Nonkonformismus in der italienischen Kultur war. Sie galt auch als ein Indiz für den großen Einfluß des »operaistischen« Denkens auf italienische Intellektuelle in den 70er Jahren. Es muß aber gleichzeitig berücksichtigt werden, daß damals die Reform des ganzen Systems der Krankenversicherung und des Gesundheitswesens zur Debatte stand.

Hier nur ein kurzer Überblick über die Themen, die »Sapere« in den zehn Jahren ihrer Existenz (1972-1983) behandelt hat: 1973 nach der Ölkrise wurde das Thema Energie mit der Anti-Atom-Kampagne in Zusammenhang gestellt; mehrere Sondernummern wurden dieser Problematik gewidmet. »Sapere« wurde das Organ der fundierten Opposition gegen das Atomprogramm der Regierung, das viele Befürworter auch bei kommunistischen Physikern besaß.

1974 trat neben das Thema »Kernkraftwerke« die kritische Analyse der italienischen Chemie-Industrie. Dieser Themenbereich wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet: Die Erfahrungen der Arbeiter und Techniker von Castellanza, Porto Marghera und anderen großen chemischen Betrieben lieferten die Basis für eine aktuelle Dokumentation der ökologischen und gesundheitlichen Schäden, die die chemische Industrie in Italien verursacht hatte; ähnliche Dokumentationen wurden über die internationale Produktion von Pharmazeutika, über die Kampagne gegen bestimmte pharmakotherapeutische Methoden und die Organisation des betrieblichen Gesundheitswesens veröffentlicht. Diese Untersuchungen über die chemischen Industrie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Offenlegung der Risiken dieser Industrie. Viele Berufstätige, Gewerkschafter und öffentlich Bedienstete, die später direkt oder indirekt mit der Katastrophe von Seveso konfrontiert wurden, haben die Analysen von »Sapere« bestätigt und haben ihr »alternatives Wissen« anwenden können.8
Sevesos unbekannte Geschichte

Viele Veröffentlichungen informieren über diese Öko-Katastrophe, die der von Tschernobyl vorangegangen ist.9 Dabei wird jedoch die Rolle des »Wissens der Arbeiterklasse« entweder total verschwiegen oder ungenügend analysiert.

Die Dioxin-Wolke ging von dem Reaktor der Abteilung B der Fabrik ICMESA am Samstag, dem 10. Juli 1976 gegen 12.30 Uhr, aus. Die Produktion lief noch zehn Tage weiter, bis endlich von der Betriebsleitung zugegeben wurde, daß eine sehr gefährliche Substanz aus dem Reaktor ausgetreten sei und die Gegend verseucht sein könne. Während dieser Tage gab es ein Massensterben von Tieren aller Art, und viele Menschen zeigten gesundheitliche Beeinträchtigungen. Nach den ersten Nachrichten hatten Mitglieder der GPIA von Castellanza, das etwa 50 Kilometer von Seveso entfernt liegt, versucht, mit Arbeitern der ICMESA Kontakt aufzunehmen. Die Angst der Arbeiter bildete jedoch eine Barriere gegenüber Außenwelt. Nur mit großer Mühe und Vorsicht gelang es den Leuten von Castellanza, zunächst unzusammenhängende Informationen zu sammeln und zu einem Mosaik zusammenzufügen. Das Ziel war zu erfahren, was in dem Reaktor passiert war und warum, was und mit welchen Verfahren produziert wurde, welche Substanzen kombiniert wurden und welche Störfälle bei solchen Verfahren eintreten können, damit der »sehr gefährlichen Substanz« ein Name gegeben werden kann. Nachdem die Barriere des Schweigens gebrochen war, bestand die größte Schwierigkeit in dem mangelnden Wissen der Betroffenen. Es zeichnete sich ein dramatisches Bild der Arbeitsbedingungen bei der ICMESA ab. »Wenn eine Birne der Beleuchtungsanlage unserer Abteilung kaputt war«, erzählte ein ICMESA-Arbeiter, »mußte man erstmal Dampf unter Druck austreten lassen, um die giftigen Rauchwolken, die sich ständig unter dem Dach sammelten, zu entfernen, bevor einer von uns mit einer Leiter die Birne wechseln durfte«. Die Fluktuation der Arbeiter war sehr hoch, und sie mußten ständig die Abteilungen wechseln, so daß kein »Gedächtnis« und nur wenig Wissen über den Produktionsprozeß entstehen konnte. Vor allem durften sie keine Fragen stellen. Drohungen und »schwarzer Lohn« waren die Mittel der Betriebsleitung, um die Komplizenschaft der Arbeiter zu gewinnen. Das alles geschah in einem Land und in einer Zeit mit einer beispielhaft entwickelten, betriebsnahen gewerkschaftlichen Organisation. ICMESA gehörte dem Konzern Hoffmann-La Roche. Lukas Hoffmann, einer der größten Aktionäre, war stellvertretender Vorsitzender des World Wildlife Fund (WWF). Die ICMESA war eine kleine Fabrik: 153 Arbeiter und drei leitende Angestellte, ein Drittel der Arbeiter war über 55 Jahre alt, viele hatten bereits gesundheitliche Schäden in anderen Fabriken erlitten und sahen die Einstellung bei ICMESA als letzte Chance an, ihre Rente abzusichern. Der Unfall ereignete sich an einem Samstag, als in dem Betrieb nur ein paar Leute der Instandhaltung und einige Leiharbeiter anwesend waren.

Zufällig hatte ein Mitglied der GPIA von Castellanza in einem ähnlichen »multipurpose«-Reaktor gearbeitet und konnte aus den bruchstückhaften Zeugnissen der Arbeiter von ICMESA durch gezieltes Fragen rekonstruieren, was passiert sein könnte. Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter der Fakultäten für industrielle Chemie und Ingenieurwesen prüften alle Angaben nach. Das Interesse galt der Frage, ob die Betriebsleitung die vorgesehenen Abläufe des Produktionsprozesses genau eingehalten hatte. Es stellte sich heraus, daß die ICMESA bestimmte Phasen des Produktionszyklus des Trichlorphenols übersprungen hatte, um die Produktivität zu steigern. War darauf die esothermische Reaktion zurückzuführen, die Dioxin erzeugt hatte?

Während dieser mühseligen wissenschaftlichen »oral history«-Arbeit hatten die Arbeiter der ICMESA und des Montedison-Werks von Castellanza zusammen mit einem Teil der betroffenen Bevölkerung und vielen Experten des Redaktionskollektivs von »Sapere« ein »comitato tecnico-scientifico popolare« (technisch-wissenschaftliches Volkskomitee) gegründet, um fundierte Information zu vermitteln, jede Maßnahme der öffentlichen Behörden nachzuprüfen und eventuell alternative Vorschläge zu entwickeln.

Viele Ärzte und Sozialarbeiter, die mit diesem Komitee sympathisierten, leisteten in den ersten Wochen, in denen totale Konfusion herrschte, freiwillige und wichtige Basisarbeit. Diese war umso wichtiger, als die Behörden sich lediglich von den Informationen, die ICMESA veröffentlichte, leiten ließen. Erwähnenswert ist besonders die Rolle der im April 1989 an Krebs gestorbenen Journalistin Neva Agazzi Maffii, die als erste eine wissenschaftlich kritische Dokumentation über Dioxin erstellt und diese den Betroffenen sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Trotz dieser wertvollen Arbeit blieben alle Experten, Wissenschaftler, Ärzte und Sozialarbeiter des Volkskomitees vom staatlichen Krisenman-agement ausgeschlossen. Die Regierungsparteien, vor allem die Democrazia Cristiana, und die Behörden griffen nicht nur mit großer Verspätung ein (die Evakuierung eines Teils der Bevölkerung begann erst zwei Wochen nach der Katastrophe), sondern ihre Notmaßnahmen vergrößerten noch die Schädigung der Umwelt und der Bevölkerung.

Im Dezember 1976 erschien die Sondernummer von »Sapere« zum Thema Seveso, in der die gesamte Gegeninformation veröffentlicht und erstmals der Produktionsablauf der ICMESA detailliert beschrieben wurde.

Giulio Maccacaro bezeichnete in seinem Leitartikel die Katastrophe von Seveso als »un crimine di pace« (Friedensverbrechen). Dieser Artikel sollte eine Art politisches Testament werden, da Maccacaro einige Wochen nach dem Erscheinen starb. Die Zeitschrift setzte ihre Arbeit noch bis Anfang 1983 fort. Jedes Jahr widmete »Sapere« eine Nummer der Fortsetzung der Geschichte von Seveso, um zu dokumentieren, wie dem großen Verbrechen eine ganze Reihe von kleinen und großen Versäumnissen folgten. Die periodische Wiederaufnahme des Falls Seveso entsprach nicht nur dem Motto »Nicht vergessen!«, sondern auch der Notwendigkeit, langfristige Veränderungen des Gesundheitszustandes der Betroffenen zu dokumentieren.

Als es die Zeitschrift nicht mehr gab, wurden auch die Betriebsleitung und der Konzern nicht mehr in Verantwortung genommen.

Der Prozeß gegen die Verantwortlichen zog sich jahrelang hin und endete 1987 mit einem fast allgemeinen Freispruch. Trotz dieser Niederlage bleibt Seveso ein Meilenstein des ökologischen Bewußtseins unserer Zeit und ein Ansatzpunkt der internationalen Gesetzgebung für die öffentliche Kontrolle der Herstellung gefährlicher Produkte.
Die Veränderung der Instandhaltungsarbeiten und der Kampf gegen das Leiharbeitersystem

Der Unfall von Seveso hat die These bestätigt, daß ohne eine bewußte und autonome Organisation der Arbeiterklasse die Gefahr von gesundheitlichen und ökologischen Schäden bei der Produktion gefährlicher Stoffe größer wird und daß Selbstschutz auf seiten der Arbeiter Verhütung des Risikos für die Umwelt bedeutet. Zum Selbstschutz brauchen die Arbeiter vor allem kontinuierliche umfassende Informationen. Dies kann auch in gut organisierten Betrieben wie in Castellanza sehr schwierig werden, wenn die Firma immer größere Teile des Produktionszyklus dezentralisiert oder von verschiedenen Leiharbeiterfirmen durchführen läßt.

Wie bei anderen chemischen Betrieben in Italien stand auch bei dem Montedison-Werk von Castellanza der festen Belegschaft eine große und immer schwankende Zahl von Leiharbeitern gegenüber. Sie führten Instandhaltungs-, Reparatur- und Reinigungsarbeiten durch und wechselten häufig. Sie wurden – wie die Gruppe von Castellanza feststellte – in den Armenhäusern oder den Hauptbahnhöfen großer Städte rekrutiert. Sie erhielten keine Ausbildung, und niemand warnte sie vor den bestehenden Gefahren. Sie kamen und gingen ohne Kontakte mit der Stammbelegschaft, so daß sie nicht selten auch die Rolle der Streikbrecher spielten. Ihre gesundheitliche Gefährdung war groß. So stellte die GPIA zum Beispiel fest, daß diejenigen, die die Reinigungsarbeiten der inneren Reaktorleitungen für die Herstellung von Formaldehyd durchführen mußten, von herunterfallenden giftigen Rückständen des Verarbeitungsprozesses gefährdet wurden. Daher wurde der Betriebsleitung der Vorschlag gemacht, diese Gefahr durch eine einfache mechanische Einrichtung abzuwenden. Das zeigt die solidarische Haltung der Stammbelegschaft den Leiharbeitern gegenüber, eine Haltung, die sich in der Verteilung von Informationsmaterial über Sicherheitsprobleme fortsetzte und bis zum Streik führte. Es wurde durchgesetzt, daß diese Arbeiter in der Betriebskantine essen und die ärztliche Station in Anspruch nehmen konnten. Um den Widerstand der Betriebsleitung gegen diese Forderungen zu brechen, kauften die 117 Betriebsratsmitglieder mit Geldern der Selbsthilfekasse Essensmarken, verteilten sie unter diesen Arbeitern und bedienten sie am Tisch in der Mensa. Mehrmals wurden die Obleute der Leiharbeiterfirmen wegen der gesetzwidrigen Rekrutierungsmethoden vom Betriebsrat bei der Arbeitsjustiz oder bei dem Arbeitsinspektor angezeigt. Diese Initiativen basierten nicht allein auf menschlicher und klassenspezifischer Solidarität. Da die Arbeiten, die die Leiharbeiter ausführten, besonders risikoträchtig waren, hing von ihrer richtigen Durchführung die Sicherheit aller Arbeiter ab. Die Geschichte der chemischen Industrie ist die Geschichte von Unfällen, die sich im Laufe von Instandhaltungsarbeiten ereignet haben.

1978 spitzte sich die Auseinandersetzung mit der Betriebsleitung zu, weil eine Reduzierung der festen Belegschaft der Instandhaltungsschichten geplant war.10

Die damals gewählte Kampfform war der »umgekehrte Streik« (sciopero alla rovescia): Die feste Belegschaft übernahm gegen den Willen und die Arbeitsplanung der Betriebsleitung die Instandhaltungsarbeiten, die sie plante und durchführte.

Es sollte der letzte wichtige Kampf gegen die Ausgliederungstendenzen vor der Periode der großen Massenentlassungen sein. Entscheidend wurde die radikale Wende in der Politik der KPI und der Gewerkschaften. Seit 1976 waren die Aktionen und die Anschläge der bewaffneten Gruppen in Italien häufiger und blutiger geworden. In den Reihen der KPI und der Spitze der Gewerkschaft entwickelte sich die Bekämpfung des »roten Terrors« zur wahren Besessenheit. Die KPI-nahen Richter führten die Verhaftungskampagne von 1979, die sich hauptsächlich gegen Intellektuelle und Dozenten richtete, die der »operaistischen« Richtung angehörten. Das war jedoch nur der erste Schritt. In einem zweiten Schritt kamen KPI und Gewerkschaftsführung zu der Überzeugung, die basisdemokratische Organisationen der Arbeiter – die Betriebsräte – mit ihren »harten« Kampfformen seien Motor der sozialen und antikapitalistischen Gewalt und Rekrutierungsfeld des Terrorismus.

Aufgrund dieser Beurteilung erteilte die Gewerkschaftsführung ihre Zustimmung zu den Ausgliederungsplänen der großen Konzerne wie Fiat und Montedison und zu den Säuberungsaktionen gegen alle militanten Arbeiter. Die Entlassungslisten wurden nach gesundheitspolitischen Kriterien aufgestellt: Betroffen waren durch die Arbeit Verschlissene und Aktivisten. Eine ganze Generation von Arbeiterkadern, auch diejenigen, die sich besonders um die gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen gekümmert hatten, fielen der Säuberung zum Opfer.

In den folgenden Jahren wurde das Thema Arbeitsschutz von den italienischen Gewerkschaften nicht mehr aufgegriffen. Diese Wende manifestierte sich auch in der chemischen Industrie. In Castellanza wurde der Kern der Gruppe, die die Initiative gegen das Gesundheitsrisiko und gegen die physische Zerstörung der Menschen getragen hatte, 1982 entlassen. Die Gewerkschaft unterstützte die vom Betriebsratskollektiv mit der vollen Zustimmung der Belegschaft beschlossenen Abwehrkämpfe nicht mehr und schloß die basisdemokratische Organisation der Arbeiter aus ihren Reihen aus. Trotzdem wurden die Entlassungen vom Arbeitsrichter für ungültig erklärt, und die Betroffenen durften wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Das Wechselspiel zwischen Entlassung und der vom Arbeitsrichter angeordneten Wiedereinstellung wiederholte sich mehrmals.

An die Stelle der vielen Leiharbeiterfirmen für die Instandhaltungsarbeiten trat die der roten Genossenschaftszentrale angehörende Manutencoop (Cooperativa di manutenzione, Genossenschaft für Instandhaltungsarbeiten), die einen Teil der früheren Leiharbeiter als »Assoziierte« eingliederte, um sie dann 1984, als sich die sozialpolitische Situation wieder beruhigt hatte, zu entlassen. Alle Vorteile, die die Leiharbeiter in Castellanza durch die Unterstützung der Stammbelegschaft gewonnen hatten, sind inzwischen verlorengegangen. Ende 1988 gab es im Montedison-Werk nicht weniger als 72 Leiharbeiterfirmen.

Als Folge dieser Umstrukturierung, die es in ähnlicher Form auch in anderen Betrieben gegeben hatte, nahmen in den chemischen Fabriken in den 80er Jahren die schweren Unfälle und Umweltschäden wieder zu.

Der Kampf gegen das von chemischen Anlagen ausgehende Risiko hat daher einen neuen Aufschwung genommen. Die Akteure sind dieselben geblieben, hingegen sind die Rollen anders verteilt. Anfang 1989 gab es drei große Konfliktzentren:

* Massa Carrara, hier hatte ein Montedison-Werk jahrelang Pestizide gelagert und das ganze Gebiet verseucht. Obwohl sich bei einer Volksabstimmung die große Mehrheit der Bevölkerung für eine Schließung des Betriebes ausgesprochen hatte, weigerte sich das Werk, die Produktion einzustellen.
* Das Dorf Cengio im Bormida-Tal (Piemont), in dem ein weiteres Montedison-Werk für Farbenproduktion das Fluß- und Grundwasser verseucht und einen Teil der Agrikultur zerstört hatte. Die Bevölkerung, unterstützt von ihren Gemeindeverwaltungen und der lokalen Kirche, verlangte die Schließung des Betriebes.
* Manfredonia (Apulien) an der südlichen Adriaküste; hier hatten sich in den letzten Jahren mehrere schwere Unfälle in einem chemischen Betrieb ereignet. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist gegen den Bau eines neuen Kraftwerks aktiv geworden.

In allen diesen Zentren der Auseinandersetzung stellt sich die Chemie-Gewerkschaft mit einem Teil der Arbeiter gegen die Kritiker. Die neue grüne Bewegung sieht darin eine Bestätigung ihrer These, daß die Arbeiterklasse reaktionär sei. Tatsächlich ist die momentane Spaltung zwischen Ökologie- und Arbeiterbewegung das Ergebnis der großen Säuberungskampagne Anfang der 80er Jahre.

Nachdem das Betriebsratskollektiv nicht mehr von der Gewerkschaft anerkannt ist, hat sich in Castellanza ein Koordinationskomitee der Arbeiterinnen und Arbeiter des Montedison-Werks gebildet, das die organisatorische Arbeit mit der vollen Unterstützung der Belegschaft weiterführt. Auch der Kern der GPIA ist intakt geblieben und weiter aktiv. Von seinen letzten Initiativen seien drei genannt:

1. Die Erstellung einer detaillierten Dokumentation der Arbeits- und Gefahrenbedingungen in bestimmten Abteilungen des Betriebes mit genauer Benennung der Verantwortlichen und Vorschlägen für Umstrukturierungen der Anlagen (9. Dezember 1988).
2. Die Untersuchung der Vergiftung von Trinkwasserreservoirs im Gebiet von Castellanza (13. März 1989), deren Ergebnisse als Warnung und Aufforderung zu durchgreifenden Notmaßnahmen an alle zuständigen Behörden verschickt wurden.
3. Das von den Experten in Castellanza mitkonzipierte Projekt für die Dekontaminierung des Bodens, für die Produktkonversion des Betriebes und für die Umschulung der Arbeiterschaft in Massa Carrara




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